Externe Studie zu sexualisierter Gewalt.

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„Mit der externen, wissenschaftlichen Erforschung von Fällen sexualisierter Gewalt in der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers geht es einen deutlichen Schritt voran. Im Dialog und mit Beteiligung der Betroffenen wird erforscht und transparent gemacht, was seinerzeit geschehen ist. Wir haben uns dafür sehr eingesetzt und begrüßen es, dass der Forschungsverbund ForuM auch unseren Fall in seine Studie aufnimmt“, sagt Superintendent Dirk Jäger vom Ev.-luth. Kirchenkreis Hittfeld. 

Im vergangenen Jahr hatte eine Betroffene gemeinsam mit der Landeskirche Hannovers und dem Kirchenkreis Hittfeld in einer Pressekonferenz in Hittfeld ihren Fall von sexuellem Missbrauch durch einen Pastor der Kirchengemeinde Nenndorf in den 1980er und 90er Jahren öffentlich gemacht.  

Der unabhängige Forschungsverbund ForuM hat im Dezember 2020 eine breit angelegte Studie zu sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland begonnen. ForuM wird nun auch den „Fall Nord_Niedersachsen“, zu dem der Missbrauch in Nenndorf zählt, aus verschiedenen Perspektiven wissenschaftlich untersuchen. Dazu wird ForuM eigenständig Betroffene, Gemeindeglieder, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen befragen sowie Akten und Unterlagen aus Archiven einsehen. Der Abschlussbericht der Studie kann als Grundlage für weitere Aufarbeitungsschritte genutzt werden kann. Die Veröffentlichung der Fallstudie im Rahmen der Veröffentlichung der Gesamtergebnisse des Verbundes ist für den Herbst 2023 geplant und erfolgt ohne die Möglichkeit der Einflussnahme seitens der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, des Kirchenkreises oder der Kirchengemeinde. 

Berichten von mehreren Betroffenen zufolge hatte der Pastor von den 1970er Jahren bis in die frühen 2000er serienmäßig ihm schutzbefohlene jugendliche Mädchen sexuell belästigt und teilweise schwer missbraucht. Dies geschah in den Kirchenkreisen Hittfeld und Wolfsburg. Hinweisen auf diesen Missbrauch wurde in den 1970ern und 1990ern mutmaßlich nicht nachgegangen. Die erste Betroffene meldete sich 2015 bei der Ansprechstelle der Landeskirche. Der Täter ist mittlerweile verstorben.

„Nachdem wir den Fall öffentlich gemacht haben, ist dies nun ein weiterer und konsequenter Schritt der Aufarbeitung. Wir haben bereits viel gelernt und übernehmen Verantwortung. Den Forschungsverbund werden wir örtlich tatkräftig unterstützen und alle uns zugänglichen Informationen zur Verfügung stellen. Von den Ergebnissen der Studie erhoffen wir uns weitere Erkenntnisse zur Gewährleistung größtmöglichen Schutzes vor sexualisierter Gewalt in der Kirche“, sagt Jäger. 

Betroffene von sexualisierter Gewalt, Gemeindemitglieder oder Zeitzeuginnen und Zeitzeugen können sich direkt und ohne Kenntnis durch die evangelische Kirche an Dr. Johanna Sigl und Johanna Forth vom Forschungsverbund ForuM wenden. 

Kontakt:

Dr. Johanna Sigl, Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg
mail: sigl(at)zeitgeschichte-hamburg.de 
Telefon: +49 40 4313 9724

Johanna Forth
Bergische Universität Wuppertal
mail: forth(at)uni-wuppertal.de
Telefon: +49 202 439 5348

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Dirk Jäger, Superintendent Ev.-luth. Kirchenkreis Hittfeld. Foto: A.Zacharias
Dirk Jäger, Superintendent Ev.-luth. Kirchenkreis Hittfeld. Foto: A.Zacharias