Wenn Schulden das Leben bestimmen.

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Mit der Sozialen Schuldnerberatung raus aus den Schulden.

„Ich stand wie unter Schock, fühlte nichts mehr, war innerlich wie versteift und konnte nicht an den nächsten Tag denken“, sagt Frau W.*“ Ihr Mann hatte sie verlassen, die Firma mitgenommen, das Haus war allein für sie nicht zu halten, ein riesiger Berg Schulden tat sich vor ihr auf. Wegen einer Herzerkrankung war sie arbeitsunfähig, ihre Erkrankung verschlimmerte sich. „Ich hatte ja alle Bankverpflichtungen mit unterschrieben, war schlagartig allein verantwortlich. Ständig fragte ich mich, was ich anders hätte machen sollen, alle Sinnfragen taten sich auf, wie sollte ich weiterleben.“ Sie bekam den Tipp, zur Sozialen Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes zu gehen. 

Schulden bestimmen Gedanken, Gefühle, die Gesundheit. „Ich war voller Angst, wusste nicht, was auf mich zukommt. Das größte Glück war Ute Flock, meine Beraterin. Sie nahm mir die Angst, begleitete und bestärkte mich, ich durfte ihr alles sagen, sie machte mir keine Vorwürfe. Sie half mir durch die schwere Zeit und trotz aller Misere verging kein einziges Mal, wo wir nicht auch gelacht haben“, sagt Frau W. 

Ute Flock ist seit dreißig Jahren Schuldnerberaterin. „Wir beraten und begleiten die Ratsuchenden, aber wir machen auch deutlich, dass die Verantwortung bei ihnen bleibt. Wir machen sie fit, übersetzen das „Juristen-Deutsch“, prüfen ihre Lage, helfen bei Antragstellungen und Behördengängen und zeigen, dass es Licht am Ende des Tunnels gibt“, sagt Ute Flock vom Team der Sozialen Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes der Kirchenkreise Hittfeld und Winsen. „Ratsuchende brauchen auf jeden Fall einen langen Atem, dann schaffen sie es.“ Sie stärkte Frau W., half ihr bei der Antragstellung von Wohngeld, erklärte ihr, was passiert, wenn der Gerichtsvollzieher kommt, und beruhigte sie, wenn wieder Mahnbriefe ins Haus flatterten. „Allein die richtige Information hat mich schon gestärkt, man kennt seine Rechte und Pflichten nicht und steht vor einem Berg von unverständlichen Dingen“, sagt Frau W. 

Ute Flock begleitete sie im Insolvenzverfahren. „Ich bin da eher ein Katalysator, rege an, was zu tun ist, stärke die Ratsuchenden, aber ich dränge sie nicht ins Insolvenzverfahren und lasse sie damit allein“, sagt Ute Flock. Die Beratung ist kostenfrei. Frau W. ist jetzt in der sogenannten Wohlverhaltensphase, die 2021 endet. In dieser Zeit müssen sich verschuldete Menschen melden, wenn es Veränderungen beim Rentenbescheid oder Einkommen gibt. Frau W. kann aufgrund ihrer Erkrankung nicht arbeiten, engagiert sich aber ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. 

„Ich habe in dieser Zeit in jeder Beziehung eine Menge gelernt. Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas passiert. Aber ich muss es akzeptieren. Eines Tages werde ich durch diese Zeit durchgekommen sein, auch dank Ute Flock. Sie hat mich immer wieder menschlich abgestützt, wenn es Rückschläge gab“, sagt Frau W. 

*Der Name ist der Redaktion bekannt, ist aber unkenntlich gemacht. 

 

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Ute Flock berät verschuldete Menschen. Foto: C.Wöhling
Ute Flock berät verschuldete Menschen. Foto: C.Wöhling