Schwerstkranke und sterbende Menschen begleiten.

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Wir sprachen mit Pastorin Anne Rieck aus dem Kirchenkreis Hittfeld und Pastor Ulrich Hahn aus dem Kirchenkreis Winsen über ihre Aufgabe der seelsorglichen und spirituellen Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen.

„Jeder schwerstkranke und sterbende Mensch hat ein Recht auf eine umfassende medizinische, pflegerische, psychosoziale und spirituelle Betreuung und Begleitung.“ So beginnt der 2. Leitsatz der „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen.“ Ende November wurde diese Charta feierlich von den Kirchen und anderen Institutionen in Hannover unterzeichnet. Die Evangelische Landeskirche Hannovers unterstützt besonders die spirituelle und seelsorgliche Begleitung. Dazu hat sie in zwölf Kirchenkreisen je eine Viertelstelle eingerichtet, die diese Arbeit fördern und koordinieren soll. Im Kirchenkreis Hittfeld nimmt Pastorin Anne Rieck diese Stelle wahr, im Kirchenkreis Winsen Pastor Ulrich Hahn. Wir haben mit Pastorin Anne Rieck und Pastor Ulrich Hahn über ihre wichtige Arbeit gesprochen:

Viele Menschen begleiten Menschen beim Sterben. Was ist Ihre spezielle Aufgabe?

A. Rieck: „Eigentlich sollen wir eine seelsorgliche und spirituelle Begleitung nur vermitteln, aber in der Praxis ist es oft so, dass ich zunächst selbst losfahre, weil der Bedarf so akut ist. Und dann ergibt sich im Erstkontakt, ob ich die weitere Begleitung abgebe oder sie selbst übernehme, weil die Betroffenen das ausdrücklich wünschen oder die Begleitung eine hohe zeitliche Flexibilität oder spezielle Kenntnisse erfordert. Wenn es aber möglich ist, vermittle ich weiter an die jeweiligen Gemeindepastor*innen oder an Ehrenamtliche, die speziell für solche Begleitungen ausgebildet sind.“

U. Hahn: „Vor allem sind wir zum Vermitteln da, gemeinsam mit Betroffenen zu überlegen: „Was könnte jetzt guttun?“ Meine berufliche Situation unterscheidet sich von Deiner, Anne, ich bin hauptsächlich Gemeindepastor, während Du ja noch im Buchholzer Hospiz und in der psychosomatischen Klinik Ginsterhof einen Stellenanteil hast und schwerpunktmäßig in der Seelsorge tätig bist.“

Worum geht es in der Begleitung?

A. Rieck: „Dasein, die Situation wahrnehmen, einen Raum geben auch für schwere Gedanken und Gefühle, mit aushalten, was ist. Und manchmal auch: Zwischen allen, die da sind vermitteln. Manchmal bitten mich Sterbende einfach nur dabei zu sein und dafür zu sorgen, dass die Familie anhört, was sie zu sagen haben. Und manchmal bitten Angehörige um ein Gespräch, weil sie nicht wissen, wie sie mit ihren Sterbenden umgehen können.

Wie haben Sie sich für diese Aufgabe qualifiziert?

U.Hahn: „Ich bin Pastoralpsychologe und Supervisor mit einer Zusatzausbildung in Palliativseelsorge.“
A. Rieck: „Ich habe eine pastoralpsychologische Zusatzausbildung sowie eine spezielle seelsorgliche Ausbildung für die Hospiz- und Palliativseelsorge. Außerdem nehme ich gerade an einer interdisziplinären Weiterbildung für psychosoziale Onkologie teil. Was mir in der Praxis außerdem hilft, sind medizinische Grundkenntnisse, die ich aus einer Krankenpflegeausbildung mitbringen, die ich vor dem Studium absolviert habe.“

Woher nehmen Sie die Kraft für ihre Arbeit?

A. Rieck: „Ich gehe ins Konzert, laufe durch den Wald, spreche mit meiner Supervisorin, spielte einen Nachmittag mit Freund*innen Gesellschaftsspiele oder koche ein richtig gutes Essen. Und was machst Du Ulrich?“

U. Hahn: „Mir hilft die Musik, die ich spiele, aber auch meine Enkelkinder. Zu meinem Beruf gehört die Arbeit im Kindergarten dazu. Es tut mir sehr gut zu sehen, mit welcher Macht das Leben weiter geht und sich entwickelt.“

Ganz praktisch gefragt: Wie werden Sie angefragt, wie erreicht man Sie? Und ist Ihre Begleitung kostenlos?

U. Hahn: „In der Regel so: Palliativärzt*innen, Mitarbeitende in Pflegediensten oder Ehrenamtliche, etwa aus dem ambulanten Hospizdienst spüren, dass ein Gespräch mit einer Seelsorgerin oder einem Seelsorger hilfreich ist, weil etwa noch ein Konflikt beigelegt werden soll. Dann werden sie Betroffene oder Angehörige, ob sie eine seelsorgliche Begleitung wünschen. Wenn sie dies wünschen, werden wir kontaktiert. Entweder begleiten wir dann die Menschen selbst oder vermitteln den Kontakt weiter zu Kolleg*innen. Erreichbar bin ich am besten unter meinem Diensthandy: 0152/216 513 59.

A. Rieck: „Unsere Begleitung ist kostenlos, das wird von der Evangelischen Landeskirche Hannovers und von allen Menschen, die Kirchensteuern zahlen, finanziert. Das entspricht dem diakonischen Auftrag der Kirche, dass wir Menschen in akuter Not ohne Ansehen der Person begleiten. Telefonisch erreicht man mich am besten an meinem Dienstort, im Ginsterhof unter der Telefonnummer 04108-5980.

Wenn Sie mehr über die Charta zur Betreuung Sterbender erfahren möchten: www.charta-zur-betreuung-sterbender.de

 

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Pastor Ulrich Hahn und Pastorin Anne Rieck. Foto: C.Wöhling
Pastor Ulrich Hahn und Pastorin Anne Rieck. Foto: C.Wöhling