Pro und Kontra: Weihnachtsgottesdienste ohne Impfgegner

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epd - der Ev. Pressedienst - hat Superintendent Dirk Jäger und Superintendent Mirko Peisert (Kirchenkreis Hildesheim) zu einem Pro- und Kontra-Gespräch eingeladen. Thema: Weihnachtsgottesdienste ohne Impfgegner

Von Karen Miether, epd (Ev. Pressedienst), Landesdienst Niedersachsen-Bremen 

Hittfeld, Hildesheim (epd). Bei immer mehr Einschränkungen für Ungeimpfte in der Corona-Pandemie hat die hannoversche Landeskirche ihre Empfehlungen an die Gemeinden geändert. Sie rät jetzt dazu, auch für Gottesdienste 3G (geimpft, genesen oder getestet) oder gar 2G-Regeln anzuwenden, die Ungeimpfte ausschließen. Gleichzeitig sollte es aber weiter Angebote für alle geben. Ein Spannungsfeld, bei dem auch innerhalb der evangelischen Kirche Meinungen auseinandergehen.

PRO: Der Hittfelder Superintendent Dirk Jäger hat ehrenamtlich in einem Impfzentrum mitgearbeitet und macht sich für Impfungen auch als Voraussetzung für den Besuch eines Gottesdienstes stark. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass die evangelische Kirche lange Zeit bewusst auf Beschränkungen verzichtet hat“, sagt der leitende Theologe des evangelischen Kirchenkreises nahe Hamburg.

Wenn in den Weihnachtsgottesdiensten jedem Ungeimpften Zugang gewährt werde, schließe das durch die dann nötigen Abstandsregeln viele andere aus. „Ich frage mich, schützen wir damit nicht die Falschen?“ Die persönliche Freiheit ende für ihn dort, wo sie andere gefährde, sagt Jäger. Es gebe auch eine „Bringschuld“ derer, die in der Wahrnehmung ihrer individuellen Rechte die Gemeinschaft belasteten. Mit Sorge blicke er auf die für Argumente unzugängliche Haltung mancher Impfgegner: „Da müssen wir aufgeklärten Christen auch nicht für jeden Unsinn Verständnis zeigen.“

Ihn erreichten besorgte Anfragen von Eltern mit Blick auf ihre Kinder, erläuterte er. „Denen ist es zu heikel, ihr Kind in den Gottesdient zu lassen, weil sie nicht wissen, ob dort alle Erwachsenen geimpft sind.“ Die Kirche habe als Arbeitgeberin zudem eine Schutzpflicht den Pastorinnen und Pastoren gegenüber. „Wollen wir ihnen zumuten, Weihnachten vor 130 Menschen zu stehen, deren Impfstatus sie nicht kennen?“, fragt Jäger.

Mit 3G, 2G oder gar 2G-plus für Geimpfte und Genesene, die sich zusätzlich haben testen lassen, könnten viele Menschen Weihnachtsgottesdienste erleben, sagt er. „Was Menschen in Kauf nehmen, um Konzerte oder Restaurants zu besuchen, können sie auch für den Gottesdienst in Kauf nehmen, ohne dass damit die Religionsfreiheit beschnitten wird.“ Das richtige kirchliche Leben kehre erst zurück, wenn zumindest die vierte Corona-Welle überwunden sei. „Dazu müssen die Menschen sich impfen lassen und wir sollten deutlich offensiver dafür werben.“

CONTRA: Der Hildesheimer evangelische Superintendent Mirko Peisert hält es dagegen für „hochproblematisch“, wenn sich Präsenzgottesdienste ausschließlich an Geimpfte und Genesene wenden. „Ich selbst bin geimpft und werbe für die Impfung“, sagte der leitende Theologe des Kirchenkreises Hildesheim-Sarstedt. „Dennoch kann ich es theologisch nicht rechtfertigen, Menschen aufgrund ihrer Einstellung zur Impfung vom Gottesdienst in der Kirche auszuschließen. Christus weist uns an alle Menschen, Zuspruch und Hoffnung weiterzugeben.“

Angesichts schärfer werdender Debatten und einer wachsenden Spannung zwischen Impfbefürwortern und -kritikern sollten die Kirchen dazu beitragen, einer weiteren Polarisierung der Gesellschaft entgegenzuwirken, betont Peisert.

„Wir brauchen eine kluge Differenzierung bei den Zugängen zu Präsenzgottesdiensten“, regt er an. Bei kleinen Taufgesellschaften oder Traugottesdiensten biete sich die 2G- oder 3G-Regel an. Bei Konzerten und anderen Kulturveranstaltungen im kirchlichen Raum sei in Hildesheim die 2G-Regel üblich. „Den sonntäglichen Gottesdienst in der Kirche müssen wir - ebenso wie andere elementare Angebote - aber für alle Menschen offen halten.“

In Peiserts Augen hat die Kirche - allein schon, um der Religionsfreiheit Rechnung zu tragen - sogar die Pflicht, allen Menschen Räume für das Gebet offenzuhalten - und das nicht nur digital. „Für mich bedeutet das, dass wir weiterhin sorgsam alle Abstands- und Hygieneregeln beachten und gegebenenfalls weiter an die Pandemielage anpassen.“ Die Kirche habe über die gesamte Corona-Zeit gute Erfahrungen mit Hygiene- und Abstandsregeln gemacht und in der gesamten hannoverschen Landeskirche sei es bislang zu keinen bedeutenden Infektionsgeschehen gekommen. „Auf diesen Rahmen vertraue ich auch weiterhin“, unterstrich Peisert.

 

 

 

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Superintendent Dirk Jäger. Foto: A.Zacharias
Superintendent Dirk Jäger. Foto: A.Zacharias