Ministerpräsident Stephan Weil besucht das Ev. Krankenhaus Ginsterhof

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Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) informierte sich über die Einrichtung und den Stand des Umbaus.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat am Sonnabend das Ev. Krankenhaus Ginsterhof auf seiner Sommertour besucht. Er informierte sich über die Einrichtung und den Stand des Erweiterungsbaus, der vom Land Niedersachsen mit 9,8 Millionen Euro unterstützt wird. Aus seiner Zeit als Zivildienstleistender wisse er, wie wichtig Psychiatrie für die medizinische Grundversorgung ist. „Oft steht die Psychiatrie am Rand des Gesundheitswesens, aber ihre Bedeutung ist mir aus meiner Erfahrung als Zivildienstleistender sehr bewusst, so dass ich die Psychiatrie immer hochhalten werde“, sagte Stephan Weil. Nach einer informellen Runde besichtigte Stephan Weil den Neubau. 

Das Ev. Krankenhaus Ginsterhof ist als Psychosomatische Fachklinik und Akademisches Lehrkrankenhaus des Universitätsklinikums Hamburg- Eppendorf ausgerichtet auf die Fachrichtungen Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Psychiatrie und Psychotherapie. Das Haus bietet auf insgesamt sieben Stationen 140 vollstationäre und 20 tagesklinische Plätze an. Ein Erweiterungsbau sowie umfangreiche Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen waren erforderlich geworden, um den Ansprüchen an eine moderne und zeitgemäße stationäre Versorgung weiterhin gerecht zu werden. „Der erste Bauabschnitt, der Erweiterungsbau, wird im nächsten Jahr mit drei Stationen und 60 Betten sowie Therapie- und Gruppenräumen fertiggestellt. Dann erfolgt der Umzug aus dem Haupthaus in den Erweiterungsbau, bevor im zweiten Bauabschnitt das Haupthaus saniert und Sport- und Therapieräume gebaut werden“, sagte Priv. Doz. Dr. Olaf Kuhnigk, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer des Ginsterhofes. Er dankte dem Ministerpräsidenten für die finanzielle Unterstützung der Baumaßnahmen durch das Land Niedersachsen. 

Dr. Ute-Christine Haberer, Chefärztin der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, gab einen kurzen Überblick über die Behandlungsschwerpunkte und einen Einblick in die Arbeit. „Jeder Mensch reagiert auf Herausforderungen und Krisensituationen mit dem 'Werkzeug', das er im Laufe seines Lebens über individuelle Beziehungserfahrungen in die Hände bekommen und erworben hat, Grundmuster, die verinnerlicht wurden. Wir versuchen, mit unseren Patientinnen und Patienten die der Erkrankung zugrundeliegenden und dem Bewusstsein nicht ausreichend zugänglichen innerseelischen Konflikte zu ergründen, die zur Aufrechterhaltung der Erkrankung beitragen." Teams aus Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften arbeiten dabei eng zusammen. 

Der gemeinnützige Verein Ev. Krankenhaus Ginsterhof e.V. ist alleiniger Gesellschafter des Ginsterhofes. Dr. Wolfgang Wedel, Vorstandsvorsitzender des Vereins, dankte für die Bauförderung, kritisierte aber auch die finanzielle Entwicklung im Gesundheitswesen mit einem Zitat des Kardiologen Bernhard Lown: „In dem Augenblick, in dem Fürsorge dem Profit dient, hat sie die wahre Fürsorge verloren.“ Wedel zielte auf die Umstellung der Krankenhausentgelte auf das Fallpauschaltensystem ab, das 2003 eingeführt wurde. „Immer weniger ist vom Gesundheitswesen die Rede, immer mehr von Gesundheitswirtschaft. Diese Entwicklung ist eine große Gefahr, da die Medizin als soziale Praxis durch ein zu starkes Gewicht des ökonomischen Denkens sukzessive unterminiert und ausgehöhlt wird.“ Dies führe zudem zu einer zunehmenden Arbeitsbelastung der Beschäftigten. Wedel kritisierte ferner, dass alles Abrechenbare dokumentiert werden müsse. 

Dem stimmte Stephan Weil zu: „Die Überökonomisierung im Gesundheitswesen ist ein echtes Problem. Pflege und medizinische Pflege sind nicht wie Industriearbeit zu bewerten und dürfen keiner strengen Taktung folgen“, sagte Stephan Weil. Dies müsse überarbeitet und überprüft werden. „Das Gesundheitswesen ist derart verästelt und zum Teil vermachtet durch die Selbstverwaltung, das muss aufgelöst werden.“ 

Das Land Niedersachsen hat in diesem Jahr die jährlich für die 170 Krankenhäuser in Niedersachsen zur Verfügung stehenden Mittel für Bauten auf 150 Millionen Euro aufgestockt. Das klingt viel, ist aber für jedes einzelne in Frage kommende Krankenhaus zu wenig. Um den Investitionsstau aufzulösen, wurde 2017 vom Land Niedersachsen ein Sondervermögen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro gebildet, aus dem auch der Ginsterhof gefördert wurde. Der Ministerpräsident sagte, dass auch diese Mittel bei weitem noch nicht ausreichen, um die notwendigen Baumaßnahmen an Krankenhäusern in Niedersachsen durchzuführen, so dass in der nächsten Legislaturperiode weitere Schritte erfolgen sollen.

 

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Ministerpräsident Stephan Weil zu Besuch im Ev. Krankenhaus Ginsterhof. Foto: C.Wöhling
Ministerpräsident Stephan Weil zu Besuch im Ev. Krankenhaus Ginsterhof. Vlnr: Dr. Wolfgang Wedel (Vorstandsvorsitzender des Vereins Ev. Krankenhaus Ginsterhof e.V.), Nicole Laaser-Becks (Oberärztin), Anne Rieck (Pastorin am Ginsterhof), Dr. Jutta Neumann (Vorstandsmitglied des Vereins Ev. Krankenhaus Ginsterhof e.V.), Dr. Florian Ziegler (Oberarzt), Ministerpräsident Stephan Weil, Dr. Ute Christine Haberer (Chefärztin), Sabine Schulz-Rakowski (SPD-Landtagskandidatin), Kathrin Großmann (Pflegedienstleitung), Dr. Peter Baudisch (Oberarzt), PD Dr. Olaf Kuhnigk (Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Ev. Krankenhauses Ginsterhof) und Dr. Helmut Teller (Chefarzt). Foto: C.Wöhling