Dem Fachkräftemangel entgegenwirken

|   News aus dem Kirchenkreis

In Interviews geben fünf junge Menschen Einblicke in ihre Arbeitsfelder im sozialen Sektor und erklären, warum sie sich für ihren Beruf entschieden haben.

Sie sind Altenpflegekraft, Gesundheits- und Krankenpfleger, Diakon und Sozialarbeiter, Sozialarbeiterin und sozialpädagogischer Assistent. Sie arbeiten im sozialen Sektor unserer Gesellschaft: im Altenheim, Krankenhaus, in der Schuldnerberatung, der Kirchengemeinde und im Kindergarten. Fünf junge Menschen geben zur „Woche der Diakonie“ Auskunft darüber, warum sie sich gezielt für einen sozialen Beruf entschieden haben und stellen Informationen zu ihrer Tätigkeit, zu Ausbildungswegen und Einstiegsgehältern vor. Alle hatten dieselbe Motivation für ihre Berufswahl: Sie wollen Menschen helfen. „Der Fachkräftemangel zeigt sich deutlich in Kirche und Diakonie. Wir wollen dagegenwirken und mit den Interviews junge Menschen für die Arbeit im sozialen Sektor begeistern. Sonst wird es in Zukunft in diesen Bereichen schwierig werden“, sagt Ines Appel, Sozialarbeiterin und Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes (DW) der Ev.-luth. Kirchenkreise Hittfeld und Winsen. 

„Ich habe mich für das Studium Religionspädagogik/Soziale Arbeit entschieden, weil ich gern mit und für Menschen arbeite. Außerdem sind die Berufsperspektiven sehr vielschichtig“, sagt Daniel Moldenhauer (34). Mit dem Doppelstudiengang Bachelor Religionspädagogik und Soziale Arbeit kann er sich verschiedene Berufe aussuchen. Ab Oktober startet er sein integriertes Berufsanerkennungsjahr (IBA) als Sozialarbeiter in der Schuldnerberatung des DW in Buchholz und als Diakon in der Nachbarschaft Jesteburg/Bendestorf für Kinder- und Jugendarbeit. Nach dem IBA liegt das Einstiegsgehalt in Anlehnung an den TVÖD E10 Stufe 2 bei etwa 3700 Euro brutto. Den Doppelstudiengang Bachelor Religionspädagogik und Soziale Arbeit bietet die Hochschule Hannover, Regelstudienzeit 8 Semester. (Das ganze Interview hier.)

Felix Lorenz Heuer (23) ist sozialpädagogischer Assistent und arbeitet im Kindergarten: „Der Beruf ist vielfältig, ich kann meine Stärken einbringen und begleite Kinder in ihrer Entwicklung“, sagt Felix Lorenz Heuer. Das Einstiegsgehalt liegt bei etwa 1800 Euro netto. Für die zweijährige Ausbildung ist ein Realschulabschluss erforderlich. Nach der Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten kann er eine zweijährige Ausbildung zum Erzieher anschließen oder dual Soziale Arbeit studieren. (Das ganze Interview hier.)

Caspar G. Appel (26) ist Gesundheits- und Krankenpfleger und arbeitet auf einer interdisziplinären Intensivstation eines Krankenhauses. Er versorgt Patienten mit unterschiedlichen Krankheiten, zu seinen Aufgaben zählen etwa: Messen der Vitaldaten, Verabreichen von Medikamenten, Assistenz bei ärztlichen Tätigkeiten und natürlich Patientengespräche. „Ich kann mir kaum eine bereicherndere und sinnvollere Arbeit vorstellen, als Menschen während einer Erkrankung und ihrer Genesung zu begleiten und zu unterstützen. Zum anderen wollte ich gern etwas Medizinisches machen, ohne studieren zu müssen“, sagt Caspar G. Appel. Die Höhe des Einstiegsgehalts hängt vom Tarifvertrag des Arbeitgebers und vom Fachbereich ab. Bei Tarifen, die sich am öffentlichen Dienst orientieren (TVÖD-P) liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 2930 Euro (Entgeltgruppe P7 Stufe 2) brutto. Caspar G. Appel hat eine dreijährige duale Ausbildung an einer Fachschule absolviert. (Das ganze Interview hier.)

Svea Haase-Bloom (32) hat Soziale Arbeit studiert und arbeitet als Sozialarbeiterin in der psychosozialen Betreuung von Substituierten in der Suchtberatung des DW. „Ich arbeite mit Menschen, die neben der medizinischen Versorgung eine langjährige Begleitung benötigen. Und in der allgemeinen Suchtberatung reichen meine Aufgaben vom Erstgespräch bis zum Therapieantrag.“ Sie leitet Informationsgruppen und leistet Präventionsarbeit an Schulen mit Schulklassen und Jugendgruppen. „Ich wollte stets mit Menschen zusammenarbeiten. Jeder Tag ist anders und ich habe die Möglichkeit, sehr selbständig Projekte zu entwickeln.“ Sie hat ein dreijähriges Studium an einer Fachhochschule und ein anschließendes, einjähriges Berufspraktikum absolviert. Je nach Arbeitgeber und Tarif liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 3.300 Euro brutto. (Das ganze Interview hier.)

Daniela Piep (40) ist Altenpflegekraft und in der Weiterbildung zur Pflegedienstleitung. Zu ihren Aufgaben zählen: Die Bewohnerkoordination, also die Planung der Zimmerbelegung, die Pflege der Bewohnerinnen und Bewohner, die Organisation von Hilfsmitteln und Anträgen, Mitarbeiterführung, Dienstpläne und Gespräche mit Angehörigen. „Die Versorgung im Alter finde ich sehr wichtig. Ich arbeite gern mit Menschen, sie geben einem viel Vertrauen und Kraft zurück, für die es sich lohnt, sich immer wieder aufs Neue einzusetzen.“ Das Einstiegsgehalt liegt bei 2700 Euro in der Entgeltgruppe E7 Stufe 2 für Fachkräfte, ist abhängig von Erfahrung und Beschäftigungsdauer. Sie hat eine dreijährige Pflegeausbildung absolviert, nach zwei Jahren im Beruf ist die Weiterbildung zur Leitungskraft möglich. (Das ganze Interview hier.)

„Es gibt zu wenig Bewerbungen, oft fehlt dann auch der erforderliche Abschluss. Dagegen steigt der Beratungsbedarf in unseren Beratungsstellen“, sagt Ines Appel. Das DW versucht, neue Wege zu gehen und hat erstmals einen Dualen Studenten beschäftigt, aber das ist kostenintensiv und gelang nur, weil die Ev. Landeskirche Hannovers Sondermittel zur Verfügung gestellt hatte. Als Arbeitgeber ist das DW indes gut aufgestellt: Es bietet Bewerberinnen und Bewerbern die Möglichkeit, ihre Fachkompetenz gut einzusetzen, persönliche Bedürfnisse werden so weit es geht berücksichtigt, durch die großen Beratungszentren in Buchholz und Winsen mit unterschiedlichen Beratungsstellen gibt es einen sehr guten Austausch mit anderen Fachdiensten, zudem gute Weiterbildungsmöglichkeiten und eine Bezahlung, die am öffentlichen Tarif angekoppelt ist. 

Für alle Berufsfelder hat sich die Frage der Mitgliedschaft in der Ev.-luth. Kirche gelockert, erforderlich ist sie nur für Leitungskräfte und im Verkündigungsdienst.

Statement von Superintendent Dirk Jäger:

Fachkräftemangel ist ein großes Thema - leider auch in Kirche und Diakonie. Superintendent Dirk Jäger vom Kirchenkreis Hittfeld sagt: „Wir haben eine Situation, in der es in nahezu allen kirchlichen und diakonischen Berufen zu wenig Bewerber gibt. Das hat weniger mit der Attraktivität der Berufsbilder zu tun, nach wie vor interessieren sich viele junge Menschen für eine erfüllende und sinnstiftende Arbeit mit Menschen. Aber die Rahmenbedingungen im Sozial- und Gesundheitswesen stimmen nicht mehr überein mit der deutlich gestiegenen Belastung und Verantwortung der Mitarbeitenden. Die allumfassende Ökonomisierung in diesem Bereich verhindert, dass Kompetenz und menschliche Zuwendung angemessen vergütet wird und das Wohl von Patienten und Ratsuchenden seinen Primat behält. 

Die Tariflöhne, die wir unseren Mitarbeitenden in der Pflege, der Beratung und in den Kindertagesstätten zahlen, sind vergleichsweise gut, trotzdem würden wir sie gerne erhöhen. Ohne grundlegende Veränderungen der Finanzierung im Sozial- und Gesundheitswesen können wir das aber nicht, wir stehen im Wettbewerb wie alle anderen privaten Anbieter und Wohlfahrtsverbände auch. Die Politik ist gefordert, umfangreiche Reformen auf den Weg zu bringen, damit Pflege, Beratung und Bildung einerseits auch in schwierigen Zeiten bezahlbar bleiben, andererseits aber auch ausreichende Ressourcen bereitstehen, um den Mitarbeitenden eine bessere finanzielle Perspektive zu geben. Andere Länder machen auch nicht alles gut und richtig, aber von der Akademisierung der Sozialberufe in den USA z.B. oder von der umfänglich anderen Organisation der Sozialfürsorge in Dänemark könnte man einiges lernen. Zum Nulltarif wird es das nicht geben, aber ohne mutiges Angehen und auch einige Zumutungen drohen dem Gesundheits- und Sozialbereich in Deutschland große Verwerfungen."

 

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Diakon und Sozialarbeiter (B.A.) Daniel Moldenhauer. Foto: D. Moldenhauer
Diakon und Sozialarbeiter (B.A.) Daniel Moldenhauer. Foto: D. Moldenhauer
Sozialpädagogischer Assistent Felix Lorenz Heuer. Foto: F. Heuer
Sozialpädagogischer Assistent Felix Lorenz Heuer. Foto: F. Heuer
Gesundheits- und Krankenpfleger Caspar G. Appel. Foto: S. B. Sachs
Gesundheits- und Krankenpfleger Caspar G. Appel. Foto: S. B. Sachs
Sozialarbeiterin (B.A.) Svea Haase Bloom Foto: N. Kreller
Sozialarbeiterin (B.A.) Svea Haase Bloom Foto: N. Kreller
Altenpflegekraft Daniela Piep. Foto: D. Piep
Altenpflegekraft Daniela Piep. Foto: D. Piep
Ines Appel, Sozialarbeiterin und Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes (DW) der Ev.-luth. Kirchenkreise Hittfeld und Winsen. Foto: N. Kreller
Ines Appel, Sozialarbeiterin und Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes der Ev.-luth. Kirchenkreise Hittfeld und Winsen. Foto: N. Kreller
Superintendent Dirk Jäger: Foto: A. Zacharias
Superintendent Dirk Jäger: Foto: A. Zacharias