Die Lutherkirchengemeinde – ein Zuhause für Kinder

Kindergottesdienstausflug 1990

Wir stehen in der vierten Dekade (1987-1996). Ich spreche mit Gisela Schneekloth und Christiane Hochfeld. Beide Namen stehen für das Thema "Kirche mit Kindern".In unserem lebhaften Gespräch, in dem ich kaum zum Fragenstellen komme, erschließt sich mir, welche vielfältigen Möglichkeiten eine Kirchengemeinde jungen Eltern eröffnen kann, um für sich und die Familie ein Gefühl von Beheimatung zu erleben. 

1987 bis 1996: Welche Erinnerungen an die Lutherkirchengemeinde verbindet ihr mit diesen Jahren?

 G. Schneekloth: „Das waren unsere ‚Gründerjahre‘. Wir hatten unentwegt Projekte, von denen einige feste Formen angenommen und überdauert haben.“

C. Hochfeld: „Genau. Aus einem Seminar zum Thema Taufe erwuchs die Taufkerzengruppe, die bis heute für jeden Täufling eine Taufkerze in Handarbeit anfertigt. Wir haben Kinderbibelwochen vorbereitet und durchgeführt und angefangen, einen Kindergottesdienst anzubieten, der parallel zum Hauptgottesdienst gefeiert wurde.

• Es ist deutlich: Kirche mit Kindern – das war euer Schwerpunkt. Wie begann das?

G. Schneekloth: „Das stimmt zwar, aber es ging uns nicht nur um die Kinder. Wir waren dabei, als der Bibelkreis unserer Kirchengemeinde und ein ökumenischer Bibelkreis gegründet wurden. Wir waren auch gemeinsam in einem Haus- und Familienkreis. Wir standen auch nicht nur für Kirche mit Kindern, es ging uns nicht um ‚Kinderbespaßung‘. Diese Jahre waren für uns auch  eine Zeit des spirituellen Aufbruchs; zu diesem Aufbruch gehörte die Arbeit mit Kindern.“

C. Hochfeld: „Die Arbeit mit Kindern stand in dieser Zeit allerdings schon im Vordergrund. Zwei Erfahrungen führten dazu: Einmal waren unsere Kinder damals im Kindergottesdienst- und Kinderbibelwochenalter. In diesem Bereich gab es bei uns in den 80ern kaum Angebote. Zum anderen hatten wir das Gefühl, dass Kinder, manchmal sogar Täuflinge, im Gottesdienst als Störung empfunden wurden. Zum Wohle unserer Kinder wollten wir das ändern. Wir wollten herzliche und schöne Gottesdienste für die Kleinen.“

• Bleiben wir bei den Kindern: Was habt ihr genau mit den Kindern gemacht?

G. Schneekloth: „Jede Menge. Unsere erste Kinderbibelwoche zum Thema Pfingsten hieß ‚Ein Hauch von Gott‘. Wir haben alles in Eigenregie vorbereitet, und die Kinder haben dann voller Eifer mitgemacht. Den Garten Eden haben wir im Schuhkarton nachgebaut, Schafe zu Psalm 23 gebastelt.“

C. Hochfeld: „Kindergottesdienstausflüge und den ersten Martinsumzug haben wir organisiert, den es bis heute gibt. Und beim Krippenspiel haben unsere Kinder auch mitgemacht.“· Eure Kinder und alle anderen Kinder natürlich auch haben ein umfängliches Programm von euch geboten bekommen.

G. Schneekloth: „Uns war es wichtig, dass die Lutherkirche auch ein Zuhause für die Kinder wurde. Im Rückblick gesagt war das unser Motto. Wir wollten, dass unsere Kinder auch die Kirche als Teil ihrer Heimat und ihrer Wurzeln entdecken.“ 

C. Hochfeld: „Erinnerst du dich noch an unsere Bücherei? Die Bücherei im jetzigen Gemeindebüro stand auch für das Heimatgefühl, von dem du sprichst. Unsere Kinder konnten dort stundenlang Bücher anschauen und lesen. Wenn sie mal laut waren, war das kein Problem. Ich behaupte, dass diese kirchliche Bücherei wichtig war für ein kirchliches Heimatgefühl unserer Kinder.“ 

G. Schneekloth: „Aber über die Kinder haben wir in der Lutherkirche auch unsere kirchliche Heimat gefunden. Bibel- und Hauskreise haben wir schon genannt. Für mich war auch die Flüchtlingsarbeit wichtig. Ich erinnere mich noch, wie wir mit Weintrauben zur damaligen Asylunterkunft in der Schifferstraße zogen und die Familien dort willkommen geheißen haben. 
Kirche mit Kindern ist bis heute ein Motto unserer Kirchengemeinde geblieben. Inzwischen kommen natürlich neue Mütter mit ihren Kindern und manchmal auch Väter.
C. Hochfeld: „Kirche mit Kindern – das soll und darf sich jede Generation von Eltern selber erarbeiten. In unserer Kirchengemeinde haben wir in diesem Bereich so viele Angebote; das finde ich gut.“ 

G. Schneekloth: „Der Unterschied ist, dass unsere Arbeit damals noch nicht so professionell war wie heute. Das ist natürlich gut; andererseits sollten Eltern es sich auch zutrauen, ganz unprofessionell und unbedarft mit ihren Kindern zu erkunden, ob und wie eine Kirchengemeinde für sie und ihre Kinder zur Heimat werden kann. Bei aller Professionalisierung tut es auch den Kindern gut, wenn die Eltern dabei sind.“

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