06.06.2017 10:24 Alter: 138 days
Kategorie: Allgemeines

Kulturlotsen für Geflüchtete


Sie sind "Kulturlotsen": Ignatius Kaspo, Rohat Mohammad, Shahnaz Mirzal, Mustafa Rmo, Arezoo Amiri, Projektleiterin Nicole Hauff und Sohaila Hossaini (vlnr).

Ignatius Kaspo aus Syrien erläutert das "Gesundheitssystem in Deutschland". Der Syrer Mustafa Rmo spricht über "Job-Perspektiven in Deutschland". Arezoo Amiri aus Afghanistan informiert über "Frauenrechte und Familie": Sie sind "Kulturlotsen" und helfen Geflüchteten, sich in Deutschland zurechtzufinden. Ihre Vorträge haben sie selbst ausgearbeitet und halten sie in ihrer Landessprache - auf Arabisch, Persisch, Farsi oder Dari. Die begleitenden Präsentationen sind auf Deutsch, damit auch betreuende ehrenamtliche Mitarbeiter die Vorträge verstehen. "Viele Informationen gehen für Geflüchtete verloren, weil sie auf Deutsch sind. Daher informieren wir sie in ihrer Landessprache. Wenn wir Geflüchteten helfen, sich in Deutschland zurechtzufinden, können sie sich besser integrieren", sagt Ignatius Kaspo. "Kulturlotsen" ist ein neues Projekt des Diakonischen Werkes der Ev.-luth. Kirchenkreise Hittfeld und Winsen. Derzeit nehmen fünf Frauen und drei Männer aus Syrien, Afghanistan und dem Irak am Projekt teil.

"Die Kulturlotsen vermitteln ihren Landsleuten wesentliche Bereiche der deutschen Gesellschaft in ihrer Sprache. So soll der Zugang der Migranten zur deutschen Gesellschaft und die Chancengleichheit, Teilhabe und Integration von Menschen mit Migrationshintergrund verbessert werden", sagt Nicole Hauff von der Migrationsberatung des Diakonischen Werkes. Gemeinsam Dörthe Heien, die zuständig ist für die Betreuung ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Flüchtlingshilfe, hat sie die Vorträge mit den Kulturlotsen besprochen. 3 Beispiele:

  • Ignatius Kaspo hat seinen Vortrag zum "Gesundheitssystem in Deutschland" bereits in Jesteburg und Tostedt vor Geflüchteten gehalten. Er hat in Syrien Medizin studiert und ist seit drei Jahren in Deutschland: "In Syrien gibt es keine allgemeine Krankenversicherung. Nur Beamte sind krankenversichert. Da die Menschen Ärzte nicht bezahlen können, gehen sie selbst bei Erkältungen oft ins Krankenhaus, da es dort günstiger für sie ist. Ich erkläre ihnen, dass man in Deutschland zuerst zum Arzt geht und für das Krankenhaus einen Überweisungs- oder Einweisungsschein eines Arztes benötigt. Ich informiere sie über die Kosten für Medikamente, nötige Unterlagen für die Krankenversicherung und vieles mehr."
  • Mustafa Rmo hat Betriebswirtschaft in Syrien studiert, war Finanzbeamter und hat für das Hilfswerk der Vereinten Nationen gearbeitet. Er ist seit 20 Monaten in Deutschland und spricht wie die anderen "Kulturlotsen" sehr gut Deutsch: "Ich erkläre den Migranten, welche Erlaubnis sie zum Arbeiten brauchen, den Unterschied zwischen Ausbildung und Praktikum, informiere über Verdienstmöglichkeiten, Steuerklassen und das Job-Center." Er ist Integrationsbeauftragter im Mehrgenerationenhaus Courage in Neu Wulmstorf und hat wie alle Kulturlotsen seinen Vortrag selbst ausgearbeitet. "Manche Unterlagen von Behörden oder Hilfswerken sind oft nicht richtig übersetzt, daher habe ich das selbst gemacht."
  • Arezoo Amiri hat über Frauenrechte und Familie im Internationalen Café in Buchholz auf Persisch informiert. Sie lebt seit fünf Jahren in Buchholz. Im Team mit Klara Aziz, Shahnaz Mirzal und Sohaila Hossaini hat sie den Vortrag ausgearbeitet. "In Afghanistan dürfen Frauen nicht Fahrrad fahren, nicht schwimmen gehen, keinen Führerschein machen. Das ist hier alles erlaubt und das sollen die Frauen auch wissen", sagt Arezoo. Sie hat in Afghanistan als Lehrerin gearbeitet, bevor es ihr die Taliban verboten. Arezoo hat 2014 ihre Aufenthaltsgenehmigung erhalten, arbeitet jetzt in einem Supermarkt, lernt weiter die deutsche Sprache und kocht einmal in der Woche im Internationalen Café afghanische Speisen.

Derzeit sind weitere Themen in Vorbereitung: "Ich werde über Mülltrennung in Deutschland informieren", sagt Sohaila Hossaini. "Und ich werde über das Kindergarten- und Schulsystem in Deutschland sprechen", sagt Rohat Mohammad aus Syrien.

"Die Resonanz auf die Vorträge ist sehr positiv. Deutlich wird, dass der niedrigschwellige kulturelle und sprachliche Zugang der Kulturlotsen die Gesprächsatmosphäre sehr offen werden lässt und viele Missverständnisse ausgeräumt werden können", sagt Nicole Hauff. Kirchengemeinden, die die Kulturlotsen für einen Vortrag zu sich einladen möchten, melden sichbei Dörthe Heien, Tel. 04181-2197960 oder per mail: ea-fluechtlingsarbeit(at)diakonie-hittfeld-winsen.de



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