28.11.2017 08:24 Alter: 17 days
Kategorie: Allgemeines

"Wenn es in Beziehungen zu Gewalt kommt..."-Vortrag in Buchholz


Elisabeth Hoffmann (Ehe- und Lebensberaterin), Regina Dietze (Dipl.-Psychologin und Leiterin der Buchholzer Ehe- und Lebensberatungsstelle), Dörthe Heien (Leiterin der BISS, der Beratungs- und Interventionsstelle für Opfer häuslicher Gewalt) und Jürgen Rauch (Dipl.-Sozialpädagoge) - vlnr. Foto: C. Wöhling

Ein blaues Auge, Hämatome am Körper - dies sind nur sichtbare Zeichen häuslicher Gewalt. Häusliche Gewalt beginnt früher. Dann, wenn Frauen Angst vor ihrem Partner haben, sie sich erniedrigt fühlen, beschimpft und angeschrien werden. Wo finden Opfer häuslicher Gewalt Hilfe, wohin können sie sich wenden, welche Rechte haben sie, wer hört ihnen zu, wer steht ihnen bei einer Trennung zur Seite? Die 16-Tage-Kampagne "Gegen Gewalt an Frauen" des Landkreises Harburg läuft vom 25. November bis 10. Dezember, klärt mit vielen Veranstaltungen im ganzen Landkreis über Gewalt gegen Frauen auf und informiert über Hilfsangebote. Am Mittwoch, 6. Dezember, lädt die Ehe- und Lebensberatungsstelle des Diakonischen Werkes der Kirchenkreise Hittfeld und Winsen gemeinsam mit der Beratungs- und Interventionsstelle für Opfer häuslicher Gewalt (BISS) zu einem Vortrag in die Buchholzer St. Pauluskirche: "Wenn es in Beziehungen zu Gewalt kommt..." heißt der Vortrag von Martin Koschorke, er ist Paarberater, Familientherapeut, Soziologe und Theologe. Martin Koschorke geht in seinem Vortrag darauf ein, was gewalttätiges Verhalten auslöst, wie eine gewaltfreie Paarbeziehung und auch eine gewaltfreie Erziehung aussieht. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr in der Pauluskirche, der Eintritt ist frei.

"Die Fälle häuslicher Gewalt steigen", sagt Dörthe Heien von der BISS, der Beratungs- und Interventionsstelle für Opfer häuslicher Gewalt. Waren es in den letzten Jahren im Durchschnitt etwa 250 Fälle pro Jahr, zählte Dörthe Heien in diesem Jahr schon etwa 300 Fälle. "Entweder die Frauen melden sich selbst bei mir oder sie werden mir nach einem Polizeieinsatz genannt", sagt Dörthe Heien. "Dann geht es zuerst um den Schutz der Frau und der Kinder, die wir z.B. ins AWO Frauenhaus bringen. Und es geht um zivilrechtliche Schritte, etwa eine Wohnungsverweisung oder ein Kontaktverbot für den Täter. Oft wissen die Frauen nicht, welche Rechte ihnen durch das Gewaltschutzgesetz zustehen. Darüber klären wir sie auf", sagt Dörthe Heien.

Wenn Opfer von Gewalt eine psychologische Beratung benötigen, vermittelt Dörthe Heien sie anschließend an die Ehe- und Lebensberatungsstelle des Diakonischen Werkes der Kirchenkreise Hittfeld und Winsen. "Gewalt kommt in Paaren aller Gesellschaftsschichten vor, das geht mit Streitereien und verbalen Attacken los und eskaliert dann bis zu körperlicher Gewalt. Auffallend ist, dass auch junge Paare sich schon rangeln oder prügeln", sagt Regina Dietze, Dipl.-Psychologin und Leiterin der Buchholzer Lebensberatungsstelle. "In der Paarberatung frage ich die Paare ganz offen, ob sie sich auch schlagen. Das wird oft bejaht, erst wird sich beschimpft mit Worten weit unter der Gürtellinie, dann folgen heftige Auseinandersetzungen, es wird sich geschlagen, es fliegen Tassen und Teller." Die Ehe- und Lebensberatungsstelle in Buchholz hilft Paaren, ihre Beziehung gewaltfreier zu gestalten. "Dazu besprechen wir, wie sich der Streit in ihrer Beziehung entwickelt, welche Eskalationsstufen er durchläuft, aber auch welche Strategien und Verabredungen es gibt, damit es erst gar nicht zu einer Eskalation der Gewalt kommt", sagt Regina Dietze. Geht es in einer psychologischen Paarberatung nicht weiter, unterstützt die Beratungsstelle die Frauen mit psychologischer Begleitung bei ihrer Trennung.

Zum Team der Buchholzer Lebensberatungsstelle zählen neben Regina Dietze noch Elisabeth Hoffmann, Ehe- und Lebensberaterin, Bettina Schöpgens-Cohrs, Verwaltungsangestellte und Jürgen Rauch, Dipl.-Sozialpädagoge.