08.08.2017 14:16 Alter: 11 days
Kategorie: Allgemeines

Luther und die Politik: Gemeinsamer Gottesdienst mit dem Rat der Gemeinde Neu Wulmstorf


500 Jahre Reformation feiern lutherische Christen weltweit in diesem Jahr. Auch die Lutherkirchengemeinde Neu Wulmstorf hat dazu viele Veranstaltungen organisiert. Am Sonntag, 20. August, um 10 Uhr, lädt sie zu einem besonderen Gottesdienst mit dem Rat der Gemeinde Neu Wulmstorf und Bürgermeister W.-E.Rosenzweig.

"Wir wollen gemeinsam Gottesdienst feiern, nachdenken und an Luther und sein Werk erinnern sowie die Gegenwartsbedeutung seiner Theologie erkunden", sagt Pastor Dr. Florian Schneider. Und: "Uns Menschen des 21. Jahrhunderts macht Martin Luther es nicht leicht: in vielerlei Hinsicht kann, ja, muss man sich an ihm reiben. Diese Feststellung gilt im besonderen Maße für seine Beziehung zur Politik. Auf der einen Seite kann sich der Reformator gegen die höchsten politischen Autoritäten - sogar gegen den Kaiser - stellen und auf dem Reichstag zu Worms 1521 mit revolutionärem Pathos sagen, dass er seine Lehre nicht widerrufen werde. Auf der anderen Seite erscheint er im Bauerkrieg (1524/25) als ein "Fürstenknecht", der zu einseitig die Partei der Obrigkeit ergreift und sich gegen die Bauern stellt. Luther und die Politik - darin steckt eine beträchtliche Reibungsfläche. Ohne Reibung keine Wärme, sagt man. Dass man sich an einer historischen Person reiben kann, zeugt ja auch davon, dass diese Person in ihrer Widersprüchlichkeit besonderes Interesse auf sich zieht", sagt Schneider.

Auch das Interesse der Politiker ist offenkundig angezogen von der Person Luthers. Denn zahlreich sind Ratsherren und -damen aus dem Rat Neu Wulmstorfs sowie Bürgermeister W.-E. Rosenzweig der Einladung der Lutherkirchengemeinde gefolgt. Am Sonntag, 20. August wird gemeinsam Gottesdienst um 10 Uhr gefeiert.

"Schon in der Vorbereitung hat sich abgezeichnet, wie relevant das Thema für unsere Politiker vor Ort ist. Auf der einen Seite ist Luther ein machtvoller Anstoß zur Herausbildung moderner demokratischer Strukturen. Der ehemalige Bundespräsident J. Gauck hat jüngst in einem Festakt diese moderne Seite Luthers betont: Luther habe "aus betreuten Laien mündige und selbständige Gläubige" gemacht. Dieser religiöse Umschlag habe in den politischen Bereich hineingewirkt: "Das Verlangen nach demokratischer Teilhabe hat eine seiner Wurzeln im reformatorischen Mündigwerden." Auf diesen Luther, auf ihn als Kronzeugen von moderner Selbstbestimmung und Mündigkeit, können sich moderne Politiker berufen. Und könnte diese Dimension Luthers nicht politisch hoch aktuell sein in Zeiten, da die Wahlbeteiligung sinkt und sich immer mehr Menschen in die politische Gleichgültigkeit verabschieden? Luther und die Politik - das scheint ein historisch interessantes und zugleich aktuelles Thema zu sein. Wir dürfen darauf gespannt sein, welche weiteren Beziehungen und Anknüpfungspunkte zwischen Luther und der Politik im Gottesdienst entdecken werden, woran wir uns reiben werden und an welchen Stellen wir alle oder einzelne mit Luther warm werden", sagt Schneider.