12.08.2017 08:10 Alter: 7 days
Kategorie: Allgemeines

Die Freiheit Luthers nicht mehr hergeben


Etwa 100 Besucher waren zum Gottesdienst am Kiekeberg gekommen.

Dirk Jäger (l) und Ralf Meister (r) mit dem Konfirmator von Ralf Meister.

Ralf Meister und Dirk Jäger verabschieden die Besucher am Ausgang des Hof Mein.

Dirk Jäger, Katharina Behnke und Ralf Meister (vlnr.)

"Unserer Generation kam das Heidedorf vertrauter vor, als den Kindern heute. Das war nicht museal für uns, so stellten wir uns die Welt vor, in der unsere Eltern als Kinder lebten", sagte Ralf Meister. Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche Hannover kommt aus Neugraben, kennt das Freilichtmuseum am Kiekeberg von vielen Besuchen mit Eltern und Schule gut. Am Freitag feierte er dort einen Gottesdienst, gemeinsam mit Dirk Jäger, Superintendent des Kirchenkreises Hittfeld und Katharina Behnke, Pastorin der Kirchengemeinde Rosengarten. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst von Posaunenbläsern des Kirchenkreises Hittfeld.

"Wir finden, es ist eine gute Idee, über 500 Jahre Reformation in einem 500 Jahre alten Haus nachzudenken und gemeinsam Gottesdienst zu feiern", sagte Dirk Jäger. Kirchliche Geschichte beziehe sich auch immer auf das Umfeld, wo könne man den Zusammenhang besser sehen als am Kiekeberg, wo die Geschichte der Region so anschaulich ist und eine Brücke zur Gegenwart schaffe, sagte Jäger.

War es früher besser? "Bestimmt nicht. Auch nicht, wenn wir noch weiter zurückdenken an die Zeit Martin Luthers. Es gab es eine klare Ordnung, eindeutigere Regeln, die den Bestand gesellschaftlicher Ordnung sicherten, aber keine Freiheit. Das wird es heute nicht mehr geben und wir erleben derzeit, dass Politiker scheitern, die eine solche Weltordnung wieder aufbauen wollen. Diese geschenkte Freiheit Martin Luthers geben wir nicht wieder her", sagte Meister.

Der Landesbischof sprach von der Zwecklosigkeit der Religion: "Religion beginnt damit, dass Gott uns liebt und uns Freiheit schenkt. Unser Glaube lässt sich nicht funktionalisieren. Wir glauben nicht, um zu....", sagte Meister. Er sieht Feigheit und Angst im modernen Atheismus. Menschen, die Scheu oder Sorge hätten, über Religion und ihren Glauben zu sprechen, ermunterte Meister: " Wir schulden unseren Kindern die Weitergabe unseres Glaubens. Sie brauchen die alten Geschichten der Freiheit. Lasst uns reden von dem, was in uns ist. Geben wir weiter, was unser Glaube uns gibt: Bewahrung, Schutz, Rettung in aussichtloser Zeit, aber auch überschwängliches Glück und Trost in aussichtsloser Zeit." Etwa 100 Besucher waren trotz regnerischen Wetters zum Kiekeberg gekommen.

Fotos: C.Wöhling