Kanufahrt mit Kindern aus Gomel - ein Bericht des Besuches im Jahr 2010

Kinder mit Gasteltern in den Kanus
Vera, Diana, Alina und Anna (vlnr) aus Gomel

Fröhlich und erwartungsvoll stehen die Kinder aus Weißrussland am Seeve-Ufer: Mit Kanus wollen sie gemeinsam mit ihren Gasteltern auf der Seeve schippern. Bis Ende Juni sind 34 Mädchen und Jungen aus Gomel, einer durch das Reaktorunglück von Tschernobyl im Jahr 1986 radioaktiv verseuchten Region, zu Gast im Kirchenkreis Hittfeld: Vier Wochen frische Luft atmen, unbelastete Lebensmittel essen, spielen und toben in der freien Natur. Vier Wochen, in denen sich ihr Körper erholt. Wie gut ihnen der Aufenthalt tut, ist nicht nur ihren fröhlichen Augen anzusehen: mittlerweile belegen Untersuchungs-Erebnisse den rein gesundheitlichen Wert dieser „Auszeit“: „Etwa 400 Kinder wurden im vergangenen Jahr unmittelbar vor und nach der Reise untersucht und ihre Strahlenbelastung gemessen. Dabei wurde eine Verminderung der Radioaktivität im Körper von mindestens 26 Prozent bis maximal 56 Prozent festgestellt“, sagt Pastor Fulko Steinhausen, Tschernobyl-Beauftragter des Kirchenkreises Hittfeld. Und: „Ich freue mich, dass sich in diesem Jahr sechs weitere Gasteltern gemeldet haben. So konnten wir sogar 34 Kinder aufnehmen“, freut sich Fulko Steinhausen.

 

Ausgelassen toben Dennis (10), Iwan (12), Vera (13) und Diana (11) am Seeve-Ufer bei Marxen. Mit Pastor Steinhausen und ihren Gasteltern tragen die acht- bis 13-jährigen Kinder die Kanus vom Anhänger zum Fluss. Bevor es losgeht, gibt Pastor Bernhard Kuhlmann aus Hittfeld, der die Kanus für den heutigen Ausflug zur Verfügung gestellt hat, noch ein paar Tipps, wie etwa „immer sitzen bleiben, auch wenn das Wasser welliger wird“, oder „wenn ihr links paddelt, fahrt ihr nach rechts“ - Dolmetscherin Larissa übersetzt ins Russische.

 

Dennis (10) und Iwan (12) sind bei Annerose Palsa zu Besuch, sie hält trockene Ersatzkleidung für die Jungen parat. „Vor 18 Jahren war Dennis’ Vater schon als Gastkind bei mir, im vergangenen Jahr sein Bruder, für mich ist das nicht anstrengend, ich freue mich, den Kindern helfen zu können“, sagt Annerose Palsa (71). Und: „Ich spreche etwas russisch, Iwan etwas Englisch, Dennis lernt in der Schule Deutsch – und zu Hause sprechen wir „Cocktail“ miteinander“, sagt Annerose Palsa. Es herrscht eine herzliche Atmosphäre unter den Gasteltern: „Wir treffen uns bei den Ausflügen, tauschen uns aus, geben uns Tipps - das ist unsere „fünfte“ Jahreszeit“, scherzt Anne Leopold (64), die mit ihrem Mann Dieter und Pastor Steinhausen das Programm für die Kinder organisiert. Bei ihr sind dieses Jahr Vera und Diana zu Gast. „Abends spielen wir Uno oder Phase 10, verständigen uns mit Händen und Füßen, die Mädchen treffen sich mit Anna und Alina aus der Gruppe und fühlen sich wohl“, sagt Anne Leopold. Und wenn Gesten und Zeichensprache nicht helfen, unterstützen die mitgereisten Dolmetscher Olga, Genja und Larissa die Eltern.

 

Viele schöne Ausflüge stehen auf dem Programm: Hafenrundfahrt, Michel-Besuch, Fuxy’s Spielscheune in Neu Wulmstorf, Tierpark Nindorf, Ponyhof Itzenbüttel oder der Serengeti-Park Hodenhagen, zudem gewähren viele Schwimmbäder im Landkreis den russischen Kindern freien Eintritt. Ans Meer geht es am Freitag: Dann fahren die Kinder für eine Woche nach Büsum an die Nordsee. Die „fünfte“ Jahreszeit endet für die Gomel-Gruppe mit einem Open-Air-Gottesdienst am Jesteburger Pastorenteich am Sonntag, 20. Juni, um elf Uhr und mit einem Schluss-Gottesdienst mit Pastor Jürgen P. Stahlhut in der Buchholzer St. Johannis-Kirche um 14.30 Uhr am Dienstag, 22. Juni. Von Hannover aus geht es dann am Mittwoch, 23. Juni, zurück nach Tschernobyl.

 

„Wir sind auf Spenden angewiesen, um die vierwöchigen Ferien für die Kinder aus Gomel auch im nächsten Jahr finanzieren zu können. Auch über weitere Gasteltern freuen wir uns, dann können wir noch mehr Kinder aufnehmen“, sagt Fulko Steinhausen. Für Spenden ist folgendes Konto eingerichtet:

Spenden-Konto Nr. 7006612 bei der Sparkasse Harburg-Buxtehude, BLZ 20750000, Stichwort: Ferienaktion Kinder aus Weißrussland.

Wer im nächsten Jahr Kinder als Gasteltern aufnehmen möchte, meldet sich bitte bei Pastor Fulko Steinhausen, Tel. 04165-80554.