Predigt zu Epipahnias 2004 – Die Heiligen drei Könige – (Matth. 2,1-12)

 

Anmerkung vorweg: In unserer Kirche ist zu Weihnachten zum ersten Mal eine neue Krippe aus Ton ausgestellt worden, die von Menschen der Kirchengemeinde im Laufe des Jahres 2003 getöpfert worden ist. Anfang und Ende der folgenden Predigt beziehen sich auf die Krippenfiguren der Könige.

 

 Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Den Predigttext haben wir eben schon in der Lesung von Herrn Schmidt gehört – es ist die Geschichte von den Drei Heiligen Königen.
Gott, segne dein Wort an uns. Amen.

Liebe Gemeinde,
verschmitzt – fast ein wenig satirisch, karikaturenhaft muten sie mich an, diese drei Heiligen Könige.
Ich muss ein wenig über sie lächeln, wenn ich sie mir genauer betrachte. Skurrile Typen. Seht sie euch an.
Ein wenig über sie grinsen – doch sie lassen es – stoisch – über sich ergehen, nehmen es mir nicht übel.
Sind jetzt schon Wochen unterwegs gewesen, war eine weite Reise, voller Gefahren, ein waghalsiges Unternehmen, teuer noch dazu, so ganz ohne Billig-Airlines.Nun sind sie da. Ihr unzuverlässiger Führer, der Stern – von weitem hatten sie ihn gesehen; doch dann war er einfach verschwunden – ihr unzuverlässiger Führer hat sie zuletzt doch treulich geleitet. Hin zu einem Stall. Ob sie enttäuscht waren? Nun sind sie da. Am Ziel ihrer Träume. Am Ziel ihrer Reise – am Ziel – oder beginnt sie jetzt erst richtig?
Jetzt, wo sie davon zu erzählen haben, was sie erlebt haben. Jetzt, nachdem sie den großen König getroffen haben – in einem kleinen Kindlein?
Aber konnten sie zurückkehren und ihren Leuten zuhause erzählen, sie hätten einen kleinen König gefunden – in einem Stall?
Der verschmitzte Gesichtsausdruck der Figuren – spiegelt er vielleicht bloß sorgfältig überspielte Enttäuschung - gar Entsetzen - über das, was sie da gesehen haben?Konnten sie das zuhause vermitteln? Vermutlich hatten ihre Lebensgefährten schon vor Beginn der Reise nicht viel mehr gesagt als: „Ihr spinnt!“, verständnislos mit dem Kopf geschüttelt, als sie ihnen von ihren Reiseplanungen berichteten.Aber sie waren überzeugt. Sie hatten es gesehen, dort weit weg von Bethlehem, dort im fernen – wie das Evangelium es ausdrückt – dort im „Morgenland“. Das war so weit weg, wie der Abend vom Morgen – dort ging die Sonne auf – und trotzdem: Den neuen Stern hatten sie wo anders gesehen. Und hatten dieses Zeichen des Himmels verstanden, diese drei Angehörigen der persischen oder babylonischen Priesterkaste .

 

 Ja, mit Sternen kannten sie sich aus. - Aber, Schwestern und Brüder, versteht mich jetzt nicht falsch: Das waren keine Horoskop-Gläubigen, die jeden Tag ängstlich das Horoskop in der Bildzeitung erwarteten. Nein, sie waren nicht nur an ihrem eigenen ganz persönlichen Glück interessiert.
Sondern: Ihnen ging es um mehr – um das Geschick der ganzen Welt. Was hatten sie denn nun am Himmel gesehen? Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische nähern sich im Jahr 7 vor Christus einander an und kommen sich schließlich so nahe, dass sie wie ein einziger Stern aussehen.
Und übrigens nur nebenbei: Eine kleine Ironie des lieben Gottes: Wenn man diese kosmische Datierung zugrunde legt, dann bedeutet das, das Jesus Christus, ab dessen Geburt wir unsere Zeit berechnen, - dass Christus also 7 Jahre vor Christus geboren wurde. – Nun, schon daran sieht man: im menschlichen Bereich ist eben nichts perfekt.
Doch zurück zum Haupttext: Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische. Die drei Weisen konnten das deuten: Jupiter war der Stern der Könige, Saturn galt als der Stern der Juden. Das Sternbild der Fische stand für das südliche Syrien, also für Israel. Wenn das geschieht, deutet das auf die Geburt eines großen Königs hin. – Da brechen sie auf.
Fort aus ihrem gewohnten Leben – hin in ein unbekanntes Land; fort aus Ruhe und Beschaulichkeit – hin in ein neues Jahr.
Schwestern und Brüder – Weihnachten war doch auch dieses Jahr wieder schön, oder? Und heute leuchtet er noch einmal auf, der weihnachtliche Glanz in unserer Kirche, der Tannenbaum, der Stern. Einmal noch. Einmal noch wie früher, einmal noch wie in der Kindheit. Und zum Schluss dieses Gottesdienstes auch ganz bewusst noch einmal: O du fröhliche. – Das ist gut so. Gott sei Dank, dass er uns so wunderbare Feiertage schenkt!Doch dann müssen wir aufbrechen. Auf neuen Wegen. Wie die Magier. Nach der gefahrvollen Hinreise nun die nicht minder gefährliche Rückreise. Ja, der Weihnachtsfrieden, so haben wir im Bibeltext gehört – ist permanent bedroht, - heute – und damals auch schon! - Das neue Leben ist in eine Welt hinein geboren worden, in der der Tod regiert. Denn nach der gefahrvollen Hinreise müssen die drei Weisen auch für die Rückreise schon wieder einen neuen, einen anderen Weg suchen. Die Magier suchen sich neue Wege. Durchaus mit Erfolg, denn später, viel später wird sich ihr Erlebnis mit dem König in der Krippe überall durchsetzen: Im 4. Jahrhundert legt Papst Liberius den Geburtstag Jesu auf den 25. Dezember fest. Das war bei den Goten das Fest der Wintersonnenwende; bei den Römern das Fest des „Sol invictus“ , des unbesiegbaren Sonnengottes. Und auch die persische Religion hatte am 25. Dezember ein Götterfest! – Was im Stall so klein begonnen hat – es hat weltweite Bedeutung gewonnen.
Die Magier jedenfalls haben sich auf gemacht. Raus aus ihrem Alltag – etwas ganz Neues, etwas ganz skurriles (sie lächeln immer noch), etwas leicht verrücktes getan. Ich glaube, das ist es, was sie uns heute sagen: Gehe auch du neue Wege in einem neuen Jahr!
Die Magier sind angezogen von einem neuen Stern – und was sie in dem Kind in der Krippe entdecken, ist eine bahnbrechend neue, nie geahnte, geschweige denn für möglich gehaltene Dimension von kosmischem Ausmaß. Mitten in ihrem Leben.Gibt es auch in deinem Leben eine Dimension, die du bis jetzt noch gar nicht entdeckt hast? Oder eine, die du einmal kanntest – inzwischen aber vergessen, verdrängt hast vor lauter Anforderungen deines Alltags? Ist dein Leben enger geworden, statt kosmisch-weiter? Wie das ja manchmal mit alten Freunden geschieht: Früher waren sie wichtig, Gefährten in der Liebe, im Zorn, im Streit – regelmäßig etwas miteinander unternommen, Nächte lang zusammen Skat gespielt. – Und heute? Plötzlich sind sie verschwunden aus deinem Leben, irgendwie abhanden gekommen. – Die drei Weisen sagen dir: Betritt neue Pfade in deinem Leben.
„Binde deinen Karren an einen Stern“ wird von Leonardo da Vinci, dem großen Universalgenie überliefert. „Das heißt, lass dich von einer Kraft ziehen, die nicht von dieser Welt ist, damit du die Welt veränderst." – Die Welt verändern – und fange doch damit im neuen Jahr bei dir selbst an:
• Binde deinen Karren an einen Stern – öffne dich neuen Wegen,
neuen Wirklichkeiten; Dimensionen in deinem Leben.
• Binde deinen Karren an einen Stern – gehe neue Wege. Versuche doch mal ein kleines Stoßgebet zum Himmel zu schicken, anstatt den Kollegen anzublaffen, der dich am meisten nervt.
• Binde deinen Karren an einen Stern - Nimm dir jeden Tag ein paar Minuten Zeit für die Losung. Ein Wort Gottes, das manchmal ganz neue überraschende Wege aufzeigt.
• Binde deinen Karren an einen Stern – führe doch mal ein echtes Selbstgespräch (du kannst es ja machen, wenn niemand zuhört!) – und erzähle dir mal selbst, was dein Glaube dir bedeutet. Auch, wo deine Zweifel liegen. Und wenn du das getan hast, dann suche dir jemand anderen, dem du das auch erzählst.Schwestern, Brüder – bindet euren Karren an einen Stern. Das geht – denn seit Weihnachten sind wir nicht mehr nur ein Menschen der Erde, sondern auch: Menschen des Himmels. Uns leuchtet sein Stern – und zeigt uns neue Wege. Ich schließe jetzt – mit einem bangen Blick auf unsere Könige – puh, Glück gehabt – sie lächeln immer noch – über meine Predigt? Oder deshalb, weil sie nun ihre erste Predigt aus unmittelbarer Nähe unbeschadet überstanden haben?
Vielleicht aber auch über den Stern, den sie in ihrem Leben entdeckt haben – und damit verabschieden sie sich wieder von der Krippe, von Weihnachten und machen sich auf nach Hause – auf einem neuen Weg ins neue Jahr – aber ganz gewiss: Mit einem Funkeln im Herzen. Amen.

Und der Friede Gottes...70,
1+2+4 – Wie schön leuchtet...

12/01/2004 Pastor Frank Richter