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Predigt über Lukas 2,19 Christvesper am Heiligen Abend, 24.Dezember 2002 um 18 Uhr

Lutherkirche, Neu Wulmstorf

 

Liebe Gemeinde am Heiligen Abend,
eine bewegende Geschichte.
Die Erzählung von Jesu Geburt bei Lukas im 2.Kapitel.
Was rührt unsere Gedanken an?
Was spricht unsere Seele an?
Mir geht nach:
'Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen'.
Wir stellen uns vor:
Die Hirten sind wieder abgezogen.
Der Rummel ist vorbei.
Zurück bleibt das Neugeborene.
Zurück bleibt der verunsicherte Mann Josef.
Und:
Die bewegte Frau - die Mutter - Maria.
SIE hält die Worte der Hirten in ihrem Herzen fest.Weltbewegendes?
Ja, Weltbewegendes!
Die Botschaften der Nachtschichtler bewegen die Welt.
Bis heute.'
Fürchtet euch nicht' - hatten sie gesagt.

Maria wird in ihrem Herzen denken und sich sagen:
‚Meine Güte, es ist aber doch zum Fürchten in dieser Welt.
Die Steuerpolitiker belasten die kleine Leute.
Die Führungsschicht schlägt uns in die Flucht.
'Und wenn Maria heute Abend vor Bethlehem diese Worte
'Fürchte euch nicht' in ihrem Herzen bewegen würde, sähe sie die Panzer, die um die Geburtskirche aufgefahren sind.
Sie würde an die geängstigten Kinder, Frauen und Männer denken, die sich nicht einmal auf die Straße trauen.
Und wenn sie rauskommen, sehen sie Trümmer über Trümmer.
Maria, Angst und Furcht würde ihr das Herz zerreißen.

Fürchtet euch nicht - Sand in die Augen?
Nein !!
Die Hirten hatten doch gehört und es genau so weitergesagt:
‚Denn siehe, ich verkündige euch eine große Freude, die allem Volk wiederfahren soll.'
In die Furcht kommt eine Freude.
Eine Leibhaftige.Ein Mensch.
Der menschenliebende Gott verbindet sich mit unseren tiefsitzenden Ängsten.
Eine gewaltlose Widerstandsbewegung wird angestoßen.
Den Angstmacherinnen und Angstmachern soll das Handwerk gelegt werden.Weltbewegend?
Ja!
Weil bis heute sich immer wieder Menschen bewegen lassen, aufstehen und der Angst die Liebe entgegensetzen.
'Wer liebt, kann durch jedes Feuer gehen...
und es schmerzt ihn nichts' - mit diesen Worten endet ein Gedicht von Ingeborg Bachmann.
Die Liebe ist das Größte, das wissen wir.
Sie treibt die Angst aus.

Die Botschaft der Nachtschichtler bewegen Marias Herzen:
'Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus...
'Ein neuer Mensch - der Heiland.
Gottes Gesicht, Gottes Mensch - der Christus.
Von Gott angesehen mit Augen unendlicher Liebe.
Von Gott wertgeachtet mit dem Prädikat: Sehr gut.
Als Christinnen und Christen nennen wir uns nach seinem Namen.
Seitdem sind wir in dieser Jesus-Bewegung, die von Maria ausgeht.
Am Heiligen Abend zeigen wir unser wahres Gesicht:
Dass wir auf Licht und Wärme angewiesen sind.
Dass wir auf menschliche Nähe, auf geliebt und beschenkt werden angewiesen sind.
Liebe Gemeinde am Heiligen Abend: Unser wahres Gesicht ist, dass keine und keiner an sich selbst genug hat.
Wir sind angewiesen.
Das hat uns Herbert Grönemeyer in den letzten Monaten doch so aus der Seele heraus gesungen:
'Und der Mensch heißt Mensch, weil er erinnert, weil er kämpft, weil schwärmt und liebt, weil er mitfühlt und vergibt, weil er lacht, weil er lebt - du fehlst.'
Wir sind angewiesen.
Auf den anderen Menschen.
Auf das ganz andere, auf Gottes neuen Menschen.
Als solche nimmt uns Maria in ihr welt -menschenbewegenden Nachsinnen über die Worte: 'Euch ist heute der Heiland geboren' - Ja, Dir ist heute der Heiland geboren.

Und schließlich wird Maria das 'Friede auf Erden' in ihrem Herzen hin und her gewogen haben.
Der Zweifel packt sie.
Das Aber. Aber es ist doch kein Friede auf Erden!
Bis heute nicht.
Aber das ist das Wunder:
Maria bewegte dieses Wort in ihrem Herzen und stößt eine weltweite Friedensbewegung an.
Und immer wieder stehen Menschen für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt ein.
Und immer wieder finden Menschen Worte und Taten für diesen Frieden.
Dieter Hüsch, der evangelische Kabarettist bewegt ihn mit seinen Worten:
'Möge Gott der Herr uns über alle Zeiten undGezeiten hinwegführen fröhlichen Herzens
Weil wir seinen Frieden in uns tragen.
Der uns mit allen und allem versöhnt
Weil seine Liebe in uns wohnt
Die uns unendlich macht
Die uns aber auch zurückholt
Zu unseren Tagesresten
Zu unseren Widersprüchen
Zu unseren Konflikten
Uns zurückführt in unsere Wohnküchen
Zu unseren Schlafstätten
An unsere Schreibtische
An unsere Drehbänke und Reparaturwerkstätten
In unsere Studios und Ateliers
Kindergärten und Altersheime
Um wieder von Neuem zu beginnen
Behutsam zwar aber um im Laufe der Zeit
Immer sicherer zu werden.

 Liebe Gemeinde,
so nimmt die Friedensbewegung ihren Lauf und will uns beteiligen.

Maria bewegt alle diese Worte in ihrem Herzen.
Weltbewegend.
Ja.Weil uns heute Abend dieses Urgestein des Vertrauens bewegt:
'Euch ist heute der Heiland geboren''
Friede auf Erden
''Fürchtet euch nicht'.
Wir spüren, was uns anrührt.
Wie aus einer anderen Welt werden wir zu
Widerstandsbewegten Frauen,
Jesusbewegten Männern,
Friedensbewegten Kindern.
Amen.


Pastor Wolfgang Loos
Lutherkirchengemeinde Neu Wulmstorf

 

Christvesper am Heiligen Abend 24.12.2002
1.Gebet nach V.7:
Gott, Herberge unseres Lebens.
Besorge auch uns heute Abend einen Raum für unsere Sehnsucht, für unsere kleinen und großen Hoffnungen.
Dir, Gott, ein Halleluja für den Platz hier in dieser Kirche.

2.Gebet nach V.14:
Gott der Ehre in den Höhen, du kommst in die Tiefe der Welt.
Bewege mit diesen alten Worten auch unsere Herzen und Gedanken.
Dir, Gott, ein Halleluja für die hellen Worte der Engel.

3.Gebet nach V.20

Gott, du Herzensbeweger, bewege auch unsere Herzen und Sinne für das geheimnisvolle Wunder: Jesus das Kind in der Krippe, der Heiland der Welt.
Dir, Gott, ein Halleluja, dass du mit uns gehst, wenn wir wieder umkehren in unsere oft so begrenzte Welt.

 

Fürbittengebet - Christvesper 24.12.2002 18 Uhr
Gott des Friedens, denke an die Geängsteten in Palästina und Israel. Nimm die Opfer von Terror und Gewalt in deinen Schutz.
Gott der Freude, denke an die Trauernden, die heute Abend den Verlust eines Menschen, dieses 'du fehlst' spüren.
Dass im Salz der Tränen deine Nähe zu schmecken ist.
Gott, ein Kind geworden: denke an alle Kinder, die unter der Trennung ihrer Eltern leiden. Nimm sie in den Mantel deiner Liebe.
In der Stille sagen wir dir Gott, was uns heute persönlich bewegt:
Gemeinsam beten wir wie Jesus: Vater unser .....


24/12/2002 Pastor Loos

 


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