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Konfirmationspredigt über Matthäus 5,1-9 am Sonntag, 11.Mai 2003 um 9.30 Uhr und um 11.30 Uhr in der Lutherkirche zu Neu Wulmstorf

 

Kanzelgruß: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus,
die Liebe Gottes und die Gemeinschaft im
Heiligen Geist sei jetzt mit euch allen. Amen.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
Selig seid ihr !
Siebenmal selig.
Wir haben das eben gehört.
Aus der Bergpredigt.
Lisa/Nathalie hat die Seligpreisungen gelesen.
So fängt für euch die Zukunft an: heute.
Die Zukunft gehört denen,
die sich beschenken lassen können,
die Leid tragen und schultern können.
Die Zukunft gehört den Sanftmütigen und Barmherzigen,
die Hunger und Sehnsucht nach Gerechtigkeit haben,
die Frieden stiften und Vertrauen suchen.
Das alles trifft auf euch zu!
Selig seid ihr !
So fängt eure Zukunft gut an !

Ihr tragt eine tiefe Sehnsucht nach einer guten,
sinnvollen Zukunft in euch.
Ich sage das heute hier öffentlich für euch.
Ich weiß das.
Wir haben das im Konfirmandenunterricht gelernt.

Manche Miesmacher sagen ja:
Die lernen heute nichts mehr im Unterricht.
Das ist falsch.
Hört nicht auf die Miesmacherinnen und Miesmacher.
Ihr habt gelernt - der Sehnsucht nach einer guten Zukunft für euchselbst und für unsere Welt, in der wir leben, nachzuspüren, sie auszusprechen und zu begründen.

Dieses Lernen hört nicht auf.
Die Konfirmandenzeit ist zuende.
Ich war sehr gerne mit euch zusammen.
Aber nun ist es auch gut.
Wir sind frei: Ihr und ich.
Donnerstags/Dienstags keinen Konfirmandenunterricht mehr.
Und Sonntags bestimmt ihr in evangelischer Freiheit selbst, wann, wo und wie oft ihr zum Gottesdienst geht.
Eure Pflicht habt ihr erfüllt.Ihr habt sie ernst genommen.
Jetzt seid ihr frei und für euren Glauben und euer Christ-Sein selbst verantwortlich.


Manches werdet ihr jetzt anders machen.
Macht das mutig und probiert aus, was euch der christliche Glaube dabei bedeutet.
Macht mit gutem Gewissen Fehler und wisst, Gottes Güte ist jeden morgen neu und
Vergebung ist mehr als nur ein Wort.


Vieles wird nach der Konfirmation anders.
Was bleibt, ist die Sehnsucht nach Sanftmut,
nach Gerechtigkeit,
nach Frieden und Lebenskraft, Schwieriges packen zu können.

Einige mögen sich jetzt fragen:
Woher will der das eigentlich wissen?
Ich sage euch das.

Ich habe viele von euch neugierig erlebt:
Neugierig nach Leben.
Neugierig nach dem Glauben.
Was trägt.
Worauf kommt es im Leben an.
Neugierig nach Akzeptanz und Angesehen werden.

Darum ist mir ein Lied von Nena eingefallen.
Das Verrückte bei diesem Lied ist:
Das kennen und mögen eure Mütter und Väter,
vielleicht sogar die Großmütter und Großväter genauso gerne, wie ihr.

Wir Erwachsenen, also ich jedenfalls, mag das so gerne,
weil ich weiß: wir Erwachsenen sind auch noch längst nicht am Ziel.
Manche tun manchmal nur so.
Aber das stimmt nicht.

Also ein Lied, das unser aller Sehnsucht anrührt:
Irgendwie, irgendwo, irgendwann.....Hört !
(CD: NENA - IRGENWIE, IRGENDWO, IRGENDWANN)

Ja, die Zeit ist reif!
Die Zeit ist reif für ein bisschen Zärtlichkeit,
mehr, viel mehr: Die Zeit ist reif für Seligkeit.
Selig seid ihr.
Heute, wenn ihr gesegnet werdet.
Spürbar: ihr spürt meine Hand, wenn ich euch segne.
Hörbar: ihr hört ein Wort aus der großen Tradition der Bibel.
Die Zukunft hat schon begonnen.
Nenas "Irgendwo" findet einen Ort.
Hier in der Lutherkirche.
Das Irgendwie findet einen Namen.
Deinen Namen verbunden mit einem großen Vertrauen in den Namen Gottes.
Nenas "Irgendwann" ist heute !
Für jede und jeden einzelnen heute - hier.

Liebe wird aus Mut gemacht.
Das habt ihr schon erfahren, als ihr euch mit den keinen Broten im Advent aufgemacht habt.
Als ihr gemeinsam den Mut aufgebracht habt,
in der Gemeinde für "BROT FÜR DIE WELT" einzustehen.
Aus Pflicht, aber auch aus Liebe zu Menschen, die unbedingt unseren Beistand und unsere Hilfe brauchen.
Ihr habt euch aufgemacht,
um den Hunger und Durst nach Gerechtigkeit zu stillen.Das hat nicht nur Spaß gemacht - aber Sinn.
Darauf kommt es an:
Das unsere Sehnsucht nach Leben mit Sinn genährt wird.
Ihr habt gestern Abend beim Abendmahlsgottesdienst wiederum dem Projekt "Wasser für die arme Landbevölkerung in Brasilien" zugestimmt.
332 € sind zusammengekommen - danke dafür.

Nenas Lied weckt die Sehnsucht nach einer guten Zukunft.
Wir alle brauchen diese Sehnsuchtswecker.
Diese Aufweckerinnen, damit wir nicht bei uns selbst unselig stecken und hängen bleiben.

Und dann singt Nena:
"Denk` nicht länger nach, wir fahr`n auf Feuerrädern Richtung Zukunft durch die Nacht".
Darum das Motorrad hier in der Kirche: das Feuerrad.
Motorradfahren ist pure Lebenslust und: gefährlich.
An diesen Feuerrädern kann man sich nicht nur die Finger verbrennen, die Fahrt auf ihnen in die Zukunft ist riskant.
Wer der Sehnsucht auf der Spur bleibt, bleibt verletzlich.
Ja, die Fahrt geht in Richtung Zukunft DURCH DIE NACHT.
Durch die Nacht der Konflikte.
Durch die Nacht der Fragen:
bin ich geliebt und angesehen?
Ja, die Fahrt geht durch die Nacht, in der wir kaum noch sehen können: Vorbilder für soziale Gerechtigkeit,
Vorbilder für Sanftmut und Verbindlichkeit.

Darum, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden liegen auf dem Feuerrad bunte Bänder - Hoffnungsbänder.
Jede und jeder bekommt eins mit seiner Konfirmationsurkunde.
Ich bitte Sie und euch, die heute mitfeiern.
Geben Sie ihrem Sohn, ihrer Tochter, ihrem Patenkinder - der Schwester, dem Bruder, wie auch immer - einer kleine Hoffnung mit auf den Weg in eine große Zukunft.
Gebt der Hoffnung, der Sehnsucht nach einer sinnvollen Zukunft Namen - Worte - Wünsche.
Das ist die Würze, der besondere Geschmack im beschenkt werden.
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
ihr werdet heute mit guten Wünschen und Geschenken geehrt.
Genießt das und lasst euch die Freude von keinem verderben.
Lasst euch feiern.
Und lasst euch die Sehnsucht nach einer guten, sinnvollen Zukunft nicht austreiben.
Denn ihr seid selig genannt.
Und ihr seid es auch.
Weil ihr mit heilvollen Kräften für eure Zukunft gesegnet seid.
Was auch kommen mag.

Darum gilt, was Dietrich Bonhoeffer in seinem Gedicht sagt:
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost,
was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und
ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Dafür steht das Kreuz mit der großartigen Verheißung Jesu:
Ich bin bei euch.
Ja, mit diesem Versprechen fahr mit feurigem Mut und mit Lebenslust in deine unverwechselbare Zukunft.
Amen.

17/06/2003 Pastor Wolfgang Loos

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