7 Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. 8 Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne 9 und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. 10 Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden, 11 damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.
Liebe Gemeinde,
Und was ist Ihnen das Wichtigste im Leben?
Diese Frage stellt eine Versicherungsgesellschaft mit einer ganzseitigen Werbekampagne auf der Rückseite einer Fernsehzeitung für die kommenden 2 Wochen.
Was ist Ihnen das Wichtigste im Leben?
Dabei sind vier Bilder zu sehen. Eine junge Frau mit Locken hat ein großes Schild in der Hand, auf dem steht: „
MEINE FAMILIE".
Daneben ein Bild mit einem jungen, dynamischen Mann, der ein Schild trägt: „
ERFOLG MIT MEINER FIRMA".
Dann kommt ein weiteres Bild mit einem Jugendlichen, der ein Schild hochhält, auf dem steht: „
VERTRAUEN".
Das letzte Bild zeigt einen Mann mit kleinem Kind auf dem Arm. Beide halten gemeinsam ein Schild hoch mit dem Wort: „
MAMA".
Inmitten dieser Bilder steht mit großen Buchstaben die Frage:
UND WAS IST IHNEN DAS WICHTIGESTE IM LEBEN?
Gut, dass man schützen kann, was einem wichtig ist.
Gut, dass es Versicherungen gibt.
Clevere Werbung – denke ich im Stillen.
Sie hat ihr Ziel erreicht.
Ich gucke mir das an und überlege.
Was ist das Wichtigste in meinem Leben?
Kann man wirklich schützen, was einem wichtig ist?
Dann spüre ich Ärger in mir hoch kommen, weil ich merke, dass da gewitzte Werbeleute mit meinen Ängsten spielen – mit meinem menschlichen Bedürfnis nach Sicherheit.
Jeder weiß, dass man nicht alles schützen kann, was einem wichtig ist.
Was für leere Versprechen...
Aber dieser Satz beschäftigt mich.
Was ist mir das Wichtigste in meinem Leben?
Und ich muss schmunzeln, denn genau das ist auch die Frage unseres heutigen Predigttextes. 2
Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi Willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn.
Was wichtig ist im Leben, was ein Gewinn und was ein Verlust ist – darum geht es Paulus in diesem Text.
Paulus hatte sich in seinem Leben verrannt. Er hat einen schweren Fehler gemacht – das ist ihm deutlich geworden. Und es ist ihm nicht peinlich, dies zuzugeben – er scheut sich nicht, öffentlich zu bereuen.
Er war einer dieser Fanatiker, die Christen verfolgt haben. Für ihn war dieser neue Glaube eine Gotteslästerung – ein furchtbarer Frevel, der bestraft werden musste – mit dem Tod.
Ja – er hat für seine Überzeugung andere getötet – bis er Christus selbst begegnete. Diese Begegnung hat sein Leben völlig verändert.
Paulus war von etwas überzeugt, er hat sein ganzes Leben darauf ausgerichtet. Alles hing von dieser Überzeugung ab – bis die Blase platzte.
Und dann blieb nichts mehr übrig von den alten Werten, die ihn so getragen haben.
Paulus hat aus seinen Fehlern gelernt. Und diese Einsicht möchte er weitergeben.
Und deshalb will er uns ins Überlegen bringen:
Was ist wichtig?
Worauf kommt es an?
Was ist ein Gewinn für das Leben, nicht nur für das eigene, ein Gewinn, der nicht zum Verlust wird?
Auch dann nicht, wenn unser Leben hier auf Erden sein unausweichliches Ende findet?
Was will ich eigentlich mit meinem Leben in dieser Spanne zwischen Geburt und Tod?
Wie ist das nun mit unseren Zielen im Leben, liebe Gemeinde?
Gehen wir in Gedanken einmal an unseren Lebenszielen entlang.
- Beginnen wir mit dem Ziel eines Kleinkindes, das Laufen und Sprechen zu lernen.
- Dann kommen die Ziele in der Schulzeit: Das sind i. d. R. der gute Schulabschluss und der Wunsch, einen festen Freund oder eine Freundin zu haben.
- Dann folgt die Berufsausbildung oder das Studium – die Prüfungen.
- Das nächste Ziel ist die Ehe, oder der Beginn einer Lebenspartnerschaft.
- Dann kommt die Frage nach den Kindern.
- Die Frage, ob man Bauen will oder nicht.
- Ein weiteres Ziel ist dann die Frage nach dem Höhepunkt der beruflichen Karriere, des Vorrankommens, der Selbstverwirklichung.
- Dann sind da die wiederkehrenden Fragen nach dem Kontostand, Fragen nach der Altersvorsorge.
Für manche ist die Frage nach dem guten Ruf sehr wichtig, die Frage nach den schönen Urlauben, und so weiter, und so weiter...
- Und dann gibt es eines Tages die Phase, wo man den ersehnten Ruhestand erreicht hat – die Rente oder die Pension.
Es folgt bei dem einen oder der anderen die Frage: Was will ich noch unternehmen? 3
Welche Reisen will ich noch machen, wenn die Finanzen da sind?
Es gibt auch Menschen, die fangen im Rentenalter noch einmal an zu studieren…
- Und irgendwann kommt die Überlegung, ob man sich in einem ordentlichen Altersheim auf
die Warteliste setzen lässt oder nicht…
- Und dann, liebe Gemeinde, wird irgendwann auch das letzte Stückchen unseres Lebensweges immer kürzer.
Bis dieser Weg sein Ende findet.
Bis wir unser eigentliches Ziel erreicht haben.
Aber- ist das wirklich so?
Ist das unser Ziel? Das Ende unseres Weges?
Bekommen Sie bei dieser kurzen Beschreibung unseres Lebensweges nicht auch ein beklemmendes Gefühl? Fragen Sie sich nicht auch ganz insgeheim: Und das soll schon alles gewesen sein?
Diese Beklemmung oder auch die Angst, die in uns hochsteigt ist genau das Gefühl, mit dem die cleveren Werbeleute spielen.
Gut, dass man schützen kann, was einem wichtig ist. Gut, dass es Versicherungen gibt.
Als ob wir festhalten könnten, was uns wirklich wichtig ist…
Als ob es wirklich in unserer Hand läge…
Paulus spielt nicht mit unseren Ängsten.
Er berichtet uns nur mit einfachen Worten, was er erfahren hat.
Das, was ihm wirklich wichtig ist. Nur eines ist wichtig, schreibt er. Mit Christus verbunden zu sein – darauf kommt es an. Das eigene Leben mit seinem verbinden, so dass man sich an ihm orientieren kann. Das ist wichtig.
Wenn Paulus schreibt
dann bezieht er sich einzig und allein auf sein früheres Leben, in dem er sich so verrannt hatte.
Seinen furchtbaren Fanatismus, den erachtet er für Dreck.
Die eigene Gerechtigkeit, die so fromm und gut war – auf die er sich sonst was eingebildet hat.
Die ist zerplatzt.
Aber er spricht uns nicht die Wichtigkeit unserer Ziele ab!
Natürlich sind unsere Ziele wichtig –
und je nach Lebensabschnitt ist das eine Ziel vielleicht auch etwas wichtiger als ein anderes.
Ausbildung, Beruf, Liebe, Familie, Freunde, Karriere, Gesundheit, all die verschiedenen Aktivitäten, die uns Freude machen und Raum einnehmen … all das sind wichtige Ziele.
Und all diese Ziele sollen wir uns auch stecken, denn dazu leben wir in dieser Welt, in die Gott uns hinein gestellt hat.
Das, was Paulus uns deutlich machen will, ist folgendes:
Es gibt etwas in unserem Leben, das Bestand hat, auch über unsere gesteckten Ziele - über
unser irdisches Dasein - hinaus.
Es gibt ein Ziel, das keine Versicherung braucht.
Ein Ziel, das unserem Leben die richtige Richtung gibt.
In Vers 10 sagt er:
Sich mit Christus verbunden fühlen und die Kraft der Auferstehung spüren – das ist unser Ziel.
Es ist keine Vertröstung auf das Jenseits.
Ganz im Gegenteil.
Die Kraft der Auferstehung, das die Kraft für das Diesseits.
Es ist die Kraft, die uns innerlich lebendig macht.
Es ist die Kraft, die hilft, auch mit Misserfolgen zu leben.
Die Kraft der Auferstehung nimmt uns den Druck, immer alles richtig und alles sehr gut zu machen.
Die Kraft der Auferstehung schenkt uns Freude am Leben: auch mit schlechtem Zeugnis,
nach einem Fehlschlag, dann, wenn wir unsere selbst gesteckten Ziele nicht erreicht haben.
Ich muss nicht immerzu kämpfen, um zu beweisen, dass ich der beste und die tüchtigste bin:
Es gibt so viel Grund zur Freude, auch wenn es nicht so gut gelaufen ist –
dann muss ich mich nicht schamvoll verstecken.
Dann werde ich auch neue Kraft finden, es wieder zu versuchen und anders zu machen.
Neue Kraft – die Kraft der Auferstehung.
Wer sich mit Jesus Christus verbunden weiß, der braucht keine Angst zu haben vor dem Scheitern - vor den Zielen, die nicht erreicht wurden.
Und wer sich mit IHM verbunden weiß, der braucht auch keine Angst zu haben vor dem Tod.
Liebe Gemeinde, unser letztes Ziel wird nicht das Grab sein.
Unser Leben ist keine Linie mit einem großen Spannungsbogen voller netter Lebensziele, die irgendwann einmal endet.
Unser Leben ist wie ein Kreis.
Es ist keine Linie, die ansteigt oder fällt und irgendwann einmal zu Ende ist, abgeschnitten vom Tod.
Ostern lehrt uns etwas Anderes.
Es gibt einen geheimnisvollen Durchgang zum Leben.
Das Leben schlägt einen Bogen.
Es geht aus - von Gott - und es kehrt einmal zu ihm zurück.
Es ist wie ein Tag, der vom Morgen über den Mittag bis zum Abend reicht - und der sich schließlich in einem neuen Tag unter der Sonne der Ewigkeit vollenden wird.
Und dieser Lauf geht aus von Gott und er kehrt heim zu ihm.
Das ist unser Ziel.
Das ist das Wichtigste in unserem Leben.
Schon jetzt.
Denn wir gehen auf unserem Lebensweg nicht allein.
Wir haben jemand, der mit uns geht.
Durch unser Scheitern und durch unsere Erfolge,
durch unsere Ängste und durch unsere Freuden.
Und er hält uns auch dann noch fest, wenn unser Leben hier auf Erden an sein letztes Ziel gelangt.
Unser Tod wird nicht das Ende sein, sondern der Eingang in ein neues Leben bei Gott.
Was ist wichtig, liebe Gemeinde?
Sich mit Christus verbunden fühlen - das ist wichtig.
Amen.
, „um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde" – Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung, damit ich gelange zur Auferstehung der Toten. 4
Philipper 3, 7-11