Malawi: Das Glück ist mit dem Tüchtigen

Foto: Brot für die Welt/Florian Kopp

Wir stellen Ihnen das Projekt des Kirchenkreises Hittfeld für die diesjährige Spendenaktion von Brot für die Welt vor:

 

Malawi: Das Glück ist mit dem Tüchtigen

Malawi zählt zu den ärmsten Staaten der Erde. Das Land leidet unter häufigen Wetterextremen (Dürren und Überschwemmungen). Nicht zuletzt dadurch begründet ist das Land immer wieder auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Durch das von Brot für die Welt geförderte Projekt soll die Resilienz (=Widerstandskraft) der ländlichen Regionen gestärkt werden. Die Brot für die Welt Partnerorganisation "Churches Action in Relief and Development" (CARD) unterstützt hierzu Menschen in ländlichen Regionen Bewässerungsfeldbau.

Landesinformation Malawi

Malawi ist ein Binnenstaat im südöstlichen Afrika. Das Land grenzt im Norden an Tansania, im Osten Süden an Mosambik und im Süden an Sambia, die westliche Grenze des Landes stellt der Malawisee dar. Dieser misst 570 Kilometer Länge und eine Breite von bis zu 80 Kilometern, damit ist der Malawisee der größte See Malawis und gleichzeitig das drittgrößte Binnengewässer Afrikas.

Aufgrund seiner Lage als Binnenstaat ist Malawi auf die Nachbarstaaten (Tansania, Mosambik und Sambia) und deren Infrastrukturen angewiesen, wenn es um den Zugang zu Hochseehäfen geht. Die Unabhängigkeitskriege und später die Bürgerkriege in Mosambik und Simbabwe erschwerten in Malawi den Export von Produkten ins Ausland.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes wurde und wird durch die schlechte Regierungsführung des despotischen Alleinherrschers Kamuzu Banda und seiner demokratisch gewählten Nachfolger/innen erschwert. Malawi ist ein Agrarstaat, es gibt keine nennenswerten Bodenschätze und nur wenige Industriebetriebe. Die Mehrheit der Beschäftigten (87%) ist im Agrarbereich tätig. Sie tragen zu 36% zum Bruttosozialprodukt bei und liefern zudem mindestens 65% der Rohstoffe, die die heimische Industrie verarbeitet. Tabak allein trägt 70% der Exportprodukte Malawis bei, der Landwirtschaftsbereich insgesamt etwa 90%. Entsprechend groß ist die Abhängigkeit von Ernteerträgen und Weltmarktpreisen. Die Produzenten sehen sich dem Preisverfall agrarischer Rohprodukte auf den Weltmärkten ausgesetzt.

Eine Ursache für die wirtschaftliche Stagnation Malawis sind auch die regionalen Klimaveränderungen, vor allem die zunehmende Zahl von Extremwetterereignissen wie Dürreperioden und Fluten. Das regionale Klima, die Bodenqualität und die Verfügbarkeit von Trink- und Bewässerungswasser werden negativ beeinflusst, u.a. auch da Malawi jedes Jahr 2,8% seiner Waldflächen zerstört. Erhebliche Bedeutung für die malawische Klimaveränderung hat "El Niño / Southern Oscillation", kurz ENSO, das gekoppelte Zirkulationssystem von Ozean und Atmosphäre im Bereich des tropischen Pazifiks. ENSO beeinflusst Temperatur- und Niederschlagsmuster, einschließlich Extremereignissen wie Dürren, Überschwemmungen und tropischen Wirbelstürmen. Durch die extremen Klimaverhältnisse wird die Landwirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen, was wiederum die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Trinkwasser negativ beeinflusst.

In den Jahren 2006 bis 2011 hat das Farm Input Subsidy Programme (FISP) der malawischen Regierung für einen willkommenen Lebensmittelzuwachs gesorgt. Um die Bedürftigen zu ernähren, hat das Welternährungsprogramm (WFP) für fast 20 Millionen Dollar mehr als 57 000 Tonnen Lebensmittel gekauft. Die norwegische Regierung gab dem WFP knapp 8 Millionen Dollar dazu. Das Programm bleibt bei der ländlichen Bevölkerung beliebt, auch wenn sein Erfolg in den vergangenen Jahren nachgelassen hat. So waren 2014 schätzungsweise 1,85 Millionen Menschen in Malawi unterversorgt.

Malawis arme Bevölkerung isst traditionell überwiegend Fisch, weil die natürlichen Gewässer überfischt sind, spielt kommerzielle Aquakultur eine wachsende Rolle.

Projektinformation

Das Projekt leistet einen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation und des Wohlergehens der ländlichen Bevölkerung. Die Widerstands- und Anpassungsfähigkeit der Menschen gegenüber den Folgen des Klimawandels soll verbessert werden. Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt (2015 bis 2018). Brot für die Welt unterstützt das Projekt mit 55.000,00 Euro aus Spendenmitteln. Bewässerungssysteme werden entwickelt und die Dorfbewohner werden geschult. Das Projekt richtet sich an 4.000 Haushalte (ca. 22.000 Personen) in ausgewählten Gemeinden, sogenannten "Tas" ('traditional authorities). Die ausgewählten Gemeinden liegen in Süd- und Zentralmalawi, in den vier Distrikten Thyolo, Nsanje, Dowa und Mchinji.

Die Partnerorganisation Churches Action in Relief and Development (CARD)


Ziel der Arbeit von Churches Action in Relief and Development (CARD) ist es, die Situation der ländlichen Bevölkerung durch nachhaltige Projekte langfristig zu verbessern. Die Menschen sollen in die Lage versetzt werden, ihre Probleme selbstständig zu lösen.

CARD konzentriert sich auf die Bereiche ländliche Entwicklung, Ressourcenschutz und Katastrophenvorsorge. Dem hohen Risiko, dass erneut Katastrophen eintreten stellt sich CARD durch die Etablierung von Frühwarnsystemen, dem Aufbau von gemeindebasierten Risikominimierungssystemen und verstärkter Lobbyarbeit, u.a. zum Aufbau von Evakuierungszentren. Partizipativ geplante Entwicklungsmaßnahmen, solides Risikomanagement und Katastrophenvorsorgeplanung helfen die Risiken zu reduzieren bzw. die Auswirkungen abzumildern. Landkonflikten möchte CARD durch gemeinsame Planungen mit den Gemeinden und verbindlichen Vereinbarungen vorbeugen. Die Projektarbeit ist in der Regel mit Lobby- und Advocracy-Maßnahmen verbunden. Die Organisation verfolgt einen rechtebasierten und ganzheitlichen Ansatz: HIV/AIDS und Geschlechtergerechtigkeit sind Querschnittsthemen aller Projektmaßnahmen. Außerdem ist der Träger im Bereich der Not- und Katastrophenhilfe engagiert.

Der Organisation gelingt es einem kleinen Teil, der weltweit 2,5 Mrd. besonders verletzlichen Kleinbauern und Fischerinnen wirtschaftliche und soziale Perspektiven aufzuzeigen.

Brot für die Welt arbeitet bereits seit vielen Jahren mit der kirchlichen Organisation zusammen. CARD hat darüber hinaus zahlreiche Verbindungen zu anderen Organisationen. Dies waren im Jahr 2014 u.a. Dan Church Aid und OXFAM.

Projektziele


Durch das Projekt soll erreicht werden, dass die Mitglieder der Haushalte sich mit gesünderen Lebensmitteln, die ohne Chemikalien hergestellt wurden, ernähren. Mangelernährung und Erkrankungen bei Kindern nehmen dadurch ab.

In Schulungen lernen die Dorfbewohner wirtschaftlicher und nachhaltiger mit den Wasser- und Bodenressourcen umzugehen. Frauen und Männer erlangen durch den Erwerb von Kenntnissen in der Katastrophenvorsorge und der Produktion und Vermarktung von Erzeugnissen (Honig, Fisch, Gemüse) mehr Selbstsicherheit. Die am Projekt teilnehmenden Frauen beteiligen sich selbstbewusst an der Entscheidungsfindung in den Familien und in den Gruppen auf Gemeinde- und Distriktebene.

Das Ökosystem erholt sich aufgrund landwirtschaftlicher Produktion unter Einsatz von agrarökologischen und traditionellen Anbaumethoden. Fragile Ökosysteme werden dem Klimawandel angepasst und natives Saatgut erhalten. Die Gemeinden stärken ihre politische Einflussnahme auf lokaler und regionaler Ebene.

Frauen und Klimagerechtigkeit


Die Veränderung von Boden-/Wasserverhältnissen, den Wetter-und Klimabedingungen in Malawi tragen Konflikte auch in die Familien. Sofern sich die Ertragslage verschlechtert, steigt grundsätzliche die Gefahr von häuslicher Gewalt. Nach Erkenntnissen der NGO "Women for Climate Justice" gelten Frauen in Bezug auf die negativen Folgen der Klimaveränderungen gegenüber Männern als verletzlichere Gruppe (Zugang zu Informationen, Mobilität, familiäre Bindungen, physische Disposition). Aus diesem Grund ist die Genderthematik ein wichtiges Querschnittsthema im Projekt.

Projektmaßnahmen im Einzelnen


Katastrophenvorsorge- und Klimaanpassung

5-tägige Aus- und Fortbildung für lokale Zivilschutzkomitees, Zusammenarbeit mit Zivilschutzkomitees auf Distriktebene, Erarbeitung von Notfallplänen, Informationsdienst zu saisonalen Wetter- und Klimavorhersagen, 3-tägige Ausbildung von Ersthelfer/innen; Beratung bei Pflanzenwahl, Fruchtfolge, effizienten Bewässerungsmethoden und zu Begrenzung des Flächenverbrauchs

Bewässerungslandwirtschaft & 'Conservation agriculture'


Fortbildung für acht Projektmitarbeiter/innen zu 'Conservation agriculture' , u.a. um die Verwendung von Glyphosat zu mindern; Errichtung von Bewässerungssystemen, Schulungen und Sensibilisierungs-maßnahmen für die Nutzung einschließlich Austauschbesuchen, Wartung und Schutz der Anlagen; Schu-lungen in standortgerechter, nachhaltiger Landwirtschaft; Identifikation und Ausbildung von 40 Modell-bauern/bäuerinnen, Ausstattung mit je einem Fahrrad für die 20 Farmer in Dowa und Mchinji.

Fischzucht


Auffrischungskurse, davon acht Projektmitarbeiter/innen, zur Haltung und Pflege von Fischen, einschließlich Vermarktung; Einrichtung von acht Fischteichsystemen einschließlich der Auswahl und Begutachtung geeigneter Standorte, Bereitstellung von mindestens 250 Jungfischen pro Teich, Aufbau und Begleitung von 10 Aquakulturkomitees.

Bienenhaltung und Imkerei


Schulungen in der Haltung und Pflege von Bienenvölkern für 300 Personen, einschließlich Vermarktung der Produkte Honig, Wachs und Propolis, Ausbildung von 12 Handwerkern zur Herstellung und Wartung der Bienenstöcke, Bereitstellung der Grundausstattung (Schutzanzüge, Honigschleudern etc.).

Fortbildung für "Sparclubs"


Fortbildung für acht CARD-Mitarbeitende, die anschließend geeignete Persönlichkeiten, die bereit und geeignet sind das Konzept von Sparklubs zu implementieren, auswählen und trainieren; Aus- /Fortbildung in Buchführung und Wirtschaftsfragen.

Aufbau von Bauernorganisationen


Vier Sensibilisierungsworkshops, Begleitung & Unterstützung beim Aufbau von Clubs, Vereinen oder Kooperativen, Unterstützung bei der Erarbeitung von mindestens 100 Geschäftsplänen; vier Fortbildungen zu Fair Trade-Prinzipien, Aufbau von Advocacy-Foren.

Projektevaluation und Erfolgsmessung


Mindestens acht Monitorbesuche pro Jahr in jedem Distrikt; Durchführung Treffen in/mit den Gemeinden; alle Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit Vertretern/innen der staatlichen Außenstrukturen (u.a. des Landwirtschafts- und Handelsministeriums, den zuständigen Stellen für Klimawandel, Meteorologie, Katastrophenvorsorge, Waldwirtschaft), maßgeblichen zivilgesellschaftlichen Akteuren: Civil Society Agriculture Network (CISANET), Civil Society Network on Climate Change (CISONECC), Centre for Environmental Policy and Advocacy (CEPA), sowie den bestehenden Dorf- und Distriktentwicklungskomitees.

Indikatoren zur Erfolgsmessung des Projektes:

- Mindestens 60% der Haushaltsmitglieder (davon mindestens 60% weibliche Personen) leiden in den kritischen Monaten keinen Hunger.

- Aus projektbezogenen Tätigkeiten resultiert mindestens ein Zuwachs des Haushaltseinkommens um 25%.

- Mindestens 50% der Haushalte haben spezifische Katastrophenvorsorge- und Klimaanpassungsmaßnahmen (Existenz von Notfallplänen & Frühwarnsystemen, naturschützende Landwirtschaft und Bewässerungslandwirtschaft) implementiert

Mit dieser sehr detaillierten Darstellung des Projektes wollen wir einen Kleinen Blick hinter die Kulissen" der Projektarbeit von Brot für die Welt wagen.

Das Projekt im Überblick

Projektträger: Churches Action in Relief and Development (CARD)

Spendenbedarf: 55.000 Euro

CARD ist die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation der evangelischen Kirchen in Malawi. Ihr Ziel ist es, die Lebensbedingungen der armen ländlichen Bevölkerung nachhaltig zu verbessern. Das von Brot für die Welt unterstützte Projekt richtet sich an 4.000 Kleinbauernfamilien in vier Distrikten im Süden und Zentrum Malawis. Sie werden unter anderem im Bewässerungsfeldbau, bei der Anpassung an den Klimawandel und der Gründung von Sparclubs unterstützt. Bislang wurden vier Bewässerungssysteme errichtet. Davon profitieren rund 630 Familien.

Kostenbeispiele:
5 Säcke Zement (à 50 kg) für den Bau eines Bewässerungskanals: 50 Euro
10.000 Ziegelsteine für den Bau eines Wehrs: 130 Euro
Kosten für eine Fortbildung (landwirtschaftliche Techniken und Handhabung des Bewässerungssystems) pro Tag: 270 Euro

Das Projekt richtet sich an 4.000 Haushalte (ca. 22.000 Personen) in ausgewählten Gemeinden, sogenannten "Tas" ('traditional authorities). Die ausgewählten Gemeinden liegen in Süd- und Zentralmalawi, in den vier Distrikten Thyolo, Nsanje, Dowa und Mchinji.

Quellen:

Brot für die Welt Projektinformationen: Auszüge aus Brot-internen Dokumenten Landesinformationen Malawi: https://de.wikipedia.org/wiki/Malawi (zuletzt aufgerufen am 01.07.2016)

 

Text und Fotos: Brot für die Welt