Vietnam: Frauen sind keine Ware

Die 27jährige Lam Thi Ha wurde an einen reichen Taiwanesen verkauft, der sie wiederholt misshandelte. Nun hilft ihr die Frauenunion.

 

Wir stellen Ihnen das Projekt des Kirchenkreises Hittfeld für die diesjährige Spendenaktion von Brot für die Welt vor:

Vietnam: Frauen sind keine Ware

In der Hoffnung, der Armut zu entfliehen, vertrauen viele junge Frauen in Vietnam ihr Schicksal geldgierigen Menschenhändlern an. Die verhökern sie als Prostituierte oder gefügige Ehefrauen ins Ausland. Mit Unterstützung von "Brot für die Welt" hilft die Frauenunion von Soc Trang Betroffenen und betreibt Aufklärung.

Bevor Thach Thi Sinh beginnt, mit heiserer Stimme von ihrer Vergangenheit zu erzählen, schickt sie ihre Kinder zum Spielen. Sie sollen nichts wissen von den schrecklichen Erlebnissen ihrer Mutter, die nun schon so lange zurückliegen und sie doch bis auf den heutigen Tag verfolgen. "Eines Tages, als ich von der Arbeit auf dem Feld zurückkam, sprach mich eine fremde Frau an", erzählt Sinh. "Sie fragte mich, ob ich nicht mit ihr nach Kambodscha kommen wolle. Als Hausangestellte könnte ich dort zehnmal so viel verdienen wie als Tagelöhnerin in Vietnam." Damals war sie ledig, ihre Eltern waren krank. Sinh hoffte auf ihre Chance. Doch in Kambodscha angekommen begriff sie schnell, dass sie betrogen worden war: Sie war in einem Bordell gelandet.

Frauenhandel ist in der südvietnamesischen Provinz Soc Trang ein großes Problem. Obwohl die Gegend fruchtbar ist, leben viele Menschen am Existenzminimum. Besonders gilt dies für die ethnische Minderheit der Khmer. Sie besitzen meist kein Land und müssen sich daher wie Thach Thi Sinh als Tagelöhner in der Landwirtschaft verdingen. Außerdem können viele Frauen weder lesen noch schreiben. Menschenhändler nutzen ihre Naivität gnadenlos aus. "Es sind jedoch nicht immer Fremde, die diese Frauen verkaufen", erklärt die Projektleiterin Nguyen Thi Kim Huong. "Oft sind es auch Verwandte, manchmal sogar die Mütter."

Dank einer List konnte Sinh nach einer Weile aus dem Bordell fliehen. Zurück in ihrem Heimatdorf, stand sie jedoch vor dem Nichts. "Gott sei Dank habe ich der Frauenunion von meinem Schicksal erzählt", sagt sie. Die Organisation gab ihr einen Kleinkredit in Höhe von umgerechnet 75 Euro. Davon kaufte sie sich Samen und Holz für einen Marktstand. Auf einem gepachteten Stück Land begann sie Zwiebeln zu züchten, inzwischen bietet sie viele weitere Gemüsesorten an. Damit kann sie ihre Familie ernähren.

Die von "Brot für die Welt" unterstützte Frauenunion von Soc Trang hilft den Opfern, wieder ein normales Leben zu führen. Und sie setzt alles daran, den Frauenhandel zu verhindern. Daher finanziert sie zum Beispiel Einkommen schaffende Maßnahmen für Schulabbrecherinnen. Die lernen, Körbe zu flechten und falsche Wimpern für die Kosmetikindustrie herzustellen. Die Maßnahmen sollen helfen, die wirtschaftliche Situation der jungen Frauen zu verbessern - damit sie weniger anfällig für die falschen Versprechungen der Menschenhändler sind.

Vor allem aber betreibt die Organisation Aufklärung: Ihre haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen gehen immer wieder in Schulen und zu Dorfversammlungen, veranstalten Rollenspiele und zeigen Filme. Damit auch der (und die!) Letzte begreift: Frauen sind keine Ware.

Text: Thorsten Lichtblau
Foto: Frank Schultze

 

Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie im Internet unter
www.brot-fuer-die-welt.de/projekte/stwu


Wenn Sie etwas für die Aktion spenden möchten, können Sie das gern tun: Kirchenkreisamt Winsen
Zweck "Brot für die Welt"
Konto Nr. 700 66 12
BLZ 207 500 00 bei der Sparkasse Harburg Buxtehude