Predigt über Hebräer 4,12+13 vom 31. Januar 2016
Gib mir nur ein Wort
(Pastor Andreas Kern)

Liebe Gemeinde,

Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig, hilft zu unterscheiden, ist Richter der Gedanken und Herzenssinne.

Mit diesem Satz aus dem Hebräerbrief sind wir beim Thema: Gottes Wort und Menschen-Wort und -Gedanken. Was wir denken, was wir reden, was uns bewegt – und wie wir dastehen vor Gottes lebendigem und kräftigem Wort.

Ich fange mal mit unseren Menschen-Gedanken und -Worten an. Wort-Künstler sind wir Menschen doch sehr häufig. Was wir aussprechen oder verschweigen, was gesagt werden muss und darf – hier wird es noch einmal unter dem Maßstab von Gottes Wort angesehen.

Was ist angemessen? Was hilft? Was schadet? Was trauen wir Worten zu? Wie wirken Worte – gesprochene und womöglich auch verschwiegene?

Ein Paar Beispiele: Wir erleben seit einem knappen halben Jahr einen großen Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland. Es scheint nun bei uns eine Verabredung zu geben, dass die Probleme, die wir damit haben, nicht offen ausgesprochen werden angesichts der Befürchtung, dadurch politisch „falsche“ Kräfte zu unterstützen. Über die Vorfälle in der Silvesternacht wurde nur sehr verspätet und zögerlich berichtet – und dann war in den Nachrichten immer der Zusatz enthalten, dass die Täter bitte zu unterscheiden seien von Flüchtlingen. Ganz offenbar gab es die Angst, dass durch Berichte über diese Übergriffe die freundliche Stimmung gegenüber den Flüchtlingen „kippen“ könnte – was nun, da mit großer Verspätung das ganze Ausmaß bekannt wird, natürlich geschieht: Mit einem Mal haben alle Angst und reden von Obergrenzen oder Kontingenten für die Aufnahme von weiteren Menschen.

Zweites Beispiel: Der Südwest-Rundfunk lädt die Spitzenpolitiker der Parteien, die nach den Umfragen gute Aussichten haben, bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg in die Landtage gewählt zu werden, zum Fernseh-Talk: Wahlkampf als Wort-Kampf. Die Ministerpräsidenten möchten aber nicht mit den AfD-Kandidaten gemeinsam vor die Kamera und sagen ab. Das ist zwar unprofessionell, aber es ist ihr gutes Recht. Daraufhin knicken nun aber die Fernseh-Macher ein und laden die Kandidaten all der Parteien, die nicht in den Landtagen sind, wieder aus. Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen derer, die der Presse unterstellen, den Mächtigen nach dem Mund zu reden oder ihnen hörig zu sein – „Lügenpresse“ sagen sie. Da hat der SWR ein prächtiges Eigentor geschossen.

Ist es so, dass man politisch Missliebiges oder Gefährliches nicht hören will – und es deswegen nicht aussprechen oder aussprechen lassen darf? Ist die Angst vor dem Wort so groß, dass wir uns einfach selbst „den Mund verbieten“ – oder verbieten lassen?

Wenn wir doch einen Maßstab haben für Worte, wenn wir doch unterscheiden können zwischen dem, was wahr ist und was unwahr, zwischen dem, was hilft und was nicht hilft, – dürfen wir dann die Worte zensieren? Schon bevor sie ausgesprochen, gedruckt, gesendet werden?

In unserer durch Sprache und Bilder-Sprache geprägten Welt der Meinungsvielfalt wird der Streit doch – Gott sei Dank! – durch Worte ausgetragen! Wie wollen wir denn sonst solch einen Streit zwischen unterschiedlichen Haltungen und Vorstellungen, der verschiedenen Interessen und Meinungen austragen? Und es gibt sie doch, die Unterschiede! Es ist doch schlicht naiv, sie zu leugnen! Es ist gefährlich, sie zu verschweigen! Es ist doch eine großartige Errungenschaft, die gegensätzlichen Interessen nicht durch Einschüchterung und Gewalt (oder auch nur Androhung derselben), sondern mit Worten auszutragen, mit Argumenten, mit Zahlen und Fakten, die bitteschön zu überprüfen sind.

Die Kraft des Wortes ist groß, selbst dummes Geschwätz wirkt, das wissen wir nur zu gut. Heilende Worte, ermunternde Worte: die brauchen wir immer wieder, die tun gut. Und natürlich sind böse Worte auch mächtig – richtende, vernichtende Worte bewirken oft großen Schaden.

Aber genauso schweren Schaden richten verschwiegene Worte an, die auszusprechen Pflicht gewesen wäre. Das befreiende Wort, nach dem ich mich sehne, das mich aber nicht erreicht – schlimm! Der gute Ratschlag, den sich keiner auszusprechen traut – eine verpasste Chance!

„Gib mir nur ein Wort“ – dieser Titel der Band „Wir sind Helden“ spricht die Sehnsucht nach einer Reaktion des coolen Angebeteten an. Es ist der Ruf nach Aufmerksamkeit, nach Beachtung, nach Wertschätzung: Gib mir nur ein Wort, damit ich weiß, dass du mich kennst, dass du mich siehst, dass ich dir etwas bedeute.

Und da sind wir nun bei Gottes Wort: es ist lebendig und kräftig, hilft zu unterscheiden, ist Richter der Gedanken und Herzenssinne.

Dieses Wort durchdringt Grenzen und Schranken, ist stärker als alle Gewaltmaßnahmen, und so macht es auch den stark und kräftig, der es hört und sich davon stützen und tragen lässt.

Also zuerst einmal: Wenn ich das Wort unseres Gottes behalte und aufgehen lasse in mir, dann trägt es „hundertfache Frucht“ – für mich und für die Menschen, die mir begegnen.

Und dann hilft es zu unterscheiden, ist Richter der Gedanken und Herzenssinne. Wer weiß, wie er von Gott gehalten und getragen wird, der muss seine Stimme nicht verstecken, der redet die Wahrheit, der mischt sich ein! Wer den Maßstab und die Kraft des göttlichen Wortes kennt, der verliert in den Auseinandersetzungen der vielen Worte nicht den Überblick; der stürzt sich mitten ins Getümmel der Worte, der spricht aus, was er sieht und hört, der ist der Wahrheit verpflichtet und nicht irgendeiner Zeitströmung oder politischen Laune.

Diesen Mut wünsche ich mir, wünsche ich uns allen – und natürlich auch denen, die Worte in großen Medien veröffentlichen! Fernsehen, Rundfunk, Zeitungen – und ja: auch das Wochenblatt – sie haben nicht die Aufgabe, uns zu besseren Menschen zu erziehen (das machen hoffentlich die Schulen und natürlich machen wir das in der Kirche). Seriöse Medien haben die Aufgabe, Fakten zu berichten und uns als Publikum eine Einordnung zu ermöglichen, also z.B. Zahlen vor einem Hintergrund zu erläutern, die Stichhaltigkeit einer Darstellung zu überprüfen und falsche Behauptungen und Halbwahrheiten als solche zu entlarven. Daran scheint es mir in letzter Zeit häufig zu mangeln. Stattdessen ist Erregung der Maßstab für publizistischen Erfolg geworden, das Aufpeitschen von Gefühlen und Aggressionen, grober Keil auf groben Klotz, Hauptsache ist Aufmerksamkeit und Lautstärke, Shitstorm ersetzt Argumente.

Auch dagegen hilft wohl nur, das großartige Wort von Gottes unbegrenzter Liebe noch einmal auszusprechen. Aber schaffen wir es denn, die lebendige Kraft von Gottes Wort zur Geltung zu bringen? Und sehnen nicht auch wir uns wie die Sängerin im Video-Clip nach einem erlösenden, klarstellenden Wort? Hören wir Gottes Stimme denn überhaupt im ganzen Getöse der Welt? Und was hören wir denn, wenn wir Gottes Wort vernehmen? Hält unsere Welt, halten unsere Lebens-Gebäude die durchdringende Kraft seines Wortes denn überhaupt aus?

Wir machen doch die Erfahrung, dass es uns gleichzeitig stark macht und auch ins Wanken bringt:

Liebe Gott von ganzem Herzen – und Deinen nächsten wie dich selbst!

Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

Mensch, es ist dir gesagt, was gut ist: Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Ich bin gespannt darauf, wie die ungeheure Kraft von Gottes Wort unsere Menschenworte durcheinander zu wirbeln und neu zu sortieren vermag! Hören wir genau hin!

Amen.

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