Das Abendmahl

Der Abendmahlstisch

Wer lange nicht dabei war, mag es leicht mysteriös finden: Nach Gebeten und Wechselgesängen versammelt man sich im Halbkreis vor dem Altar und bekommt dort eine runde weiße Oblate ausgeteilt, danach einen Schluck Saft oder Rotwein.

Warum feiert man dieses Abendmahl, was bedeutet es, und wie verhält man sich dabei?

1.   Warum Abendmahl?

Das Abendmahl ist eines der beiden Sakramente in der evangelischen Kirche. Das geheimnisvolle Wort Sakrament bedeutet: Mit einem sichtbaren Zeichen soll die unsichtbare Gnade Gottes sichtbar und erfahrbar gemacht werden. Das andere Sakrament ist die Taufe. Taufe und Abendmahl gehen auf Jesus zurück, sie sind von Jesus „eingesetzt“ worden und bilden das Herzstück für Glaube und Gottesdienst.

 2.   Was bedeutet das Abendmahl?

Jesus hat am Abend vor seiner Kreuzigung noch ein letztes Mal mit seinen Jüngern zusammen zu Abend gegessen. Dieses letzte Mahl Jesu mit den Seinen wurde zum ersten Abendmahl. An jenem Abend, als Jesus Brot und den Kelch mit Wein austeilte, hat er die berühmten Worte gesprochen, die bei jedem Abendmahl zitiert werden: „Nehmt und esst. Dies ist mein Leib. Solches tut zu meinem Gedächtnis.“ – „Nehmt und trinkt. Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, so oft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.“

Nach diesen Worten feiern wir das Abendmahl: in Erinnerung an Jesus, zur Vergebung der Sünden und als Gemeinschaftsmahl. Jesus hat zu Lebzeiten oft mit anderen Menschen zusammen gegessen,  nicht nur mit seinen Anhängern und Anhängerinnen, sondern auch mit Menschen, die als unwürdig, sündig und damit als nicht gesellschaftsfähig galten. Wir feiern im Abendmahl, dass Jesus durch seine Liebe und Hingabe die Schuld der Menschen aufhebt. Dabei ist Jesus Gastgeber und Gabe zugleich: Zum Abendmahl lädt Jesus selbst ein, in Brot und Wein ist er anwesend und sinnlich erlebbar. Die Menschen, die sich um den Altar versammeln, sind durch Jesus zu einer Gemeinschaft vereint.

 3.   Wie verhält man sich  beim Abendmahl?

Die evangelische Kirche lädt alle getauften Mitglieder christlicher Kirchen zum Abendmahl ein.

In St. Paulus wird das  Abendmahl sowohl mit Wein aus dem Gemeinschaftskelch als auch mit Saft in Einzelkelchen ausgeteilt. Wer Saft aus dem Einzelkelch möchte, nimmt sich auf dem Weg nach vorne einen kleinen Kelch vom Tischchen mit den Einzelkelchen. Man stellt sich im Halbkreis auf. Wer keinen Platz in dem Halbrund mehr findet, wartet entweder in der zweiten Reihe oder in seiner Bank und rückt dann nach. Das Abendmahl wird so lange und für so viele Runden ausgeteilt, bis alle, die möchten, es erhalten haben. Die Pastorin/der Pastor oder ein Mitglied des Kirchenvorstands teilt dann mit einem Segenswort die Oblaten aus. Zu hohen Festen wie der Konfirmation wird gelegentlich auch Brot gereicht (Oblaten sind länger haltbar). Anschließend wird der Wein ausgeteilt. Wer einen Einzelkelch genommen hat, trinkt daraus nach Aufforderung. Nach einem Bibelwort oder einer Entlassungsformel kehren Teilnehmer und Teilnehmerinnen zu ihrem Platz zurück. Manche bleiben noch kurz zu einem Gebet in ihrer Bank stehen, bevor sie sich setzen.

4.   Offene Fragen

Das Abendmahl bleibt geheimnisvoll und ist daher nicht vollständig zu erfassen oder gar zu beschreiben. In der Geschichte der Kirche hat es zudem eine Menge Streitigkeiten darüber gegeben, wie das Abendmahl verstanden werden soll. So gibt es unter den verschiedenen Kirchen unterschiedliche Auffassungen über das Abendmahl, etwa über die Anwesenheit  Jesu in Brot und Wein: Wandeln sich Brot und Wein in der Abendmahlshandlung in Fleisch und Blut Jesu Christi (wie in der katholischen Lehre), sind Brot und Wein nur Zeichen, die auf Jesus hindeuten (wie in der reformierten Kirche) oder ist Jesus auf geheimnisvolle Weise „in, mit und unter“ Brot und Wein gegenwärtig (wie nach lutherischen Verständnis)? Diese Feinheiten (oder Spitzfindigkeiten?) sind eigentlich gar nicht mehr wichtig, wenn man nach der eigentlichen Bedeutung des Abendmahls fragt: Erinnerung, Vergebung und Gemeinschaft. Wünschenswert ist es nach wie vor, dass das Abendmahl eines Tages einmal als Gemeinschaftsfeier aller Christinnen und Christen möglich wird.        

 Ines Bauschke

Stimmen aus der Gemeinde

Ruth Heinrich
Johannes Peters
Gerhard Stagginnus

Ruth Heinrich:

Das Abendmahl ist für mich von jeher etwas Besonderes: die Einladung, sich zu versammeln, um Jesus Christus nahe zu sein. In diesem Kreis wird für mich Friede und Einigkeit miteinander fühlbar – letztlich aber auch das, was Lukas im 17. Kapitel, Vers 20 ausdrückt: „Das Reich Gottes ist drinnen in euch.“ Ist mein innerer Friede nicht hergestellt, kann es durchaus sein, dass ich am Abendmahl nicht teilnehmen möchte und kann. Ich bleibe dann in meiner Bank sitzen und gehe ein anderes Mal wieder zum Abendmahl.

Johannes Peters: 

Das Abendmahl bei der Konfirmation war für mich nicht das Erste, denn in unserer Kirche kann man auch unkonfirmiert am Abendmahl teilnehmen. Mein jüngerer Bruder hat KU4-Unterricht gehabt und auch schon Abendmahl gefeiert, da war ich auch mit dabei. Trotzdem war es bei der Konfirmation etwas anderes – wegen des Weins. Wir hatten das Abendmahl im Unterricht geprobt, wussten wo wir uns hinstellen sollten, aber Wein haben wir natürlich bei der Probe nicht verwendet. Dann die Konfirmation und das Abendmahl mit Wein. Der schmeckte mir fürchterlich! Jetzt weiß ich, dass ich keinen Wein mag.

 

Gerhard Staginnus: Das Abendmahl ist wohl eines der sonderbarsten und geheimnisvollsten Inhalte des Christentums. Im Streit um das Abendmahl sind ganze Konfessionen zerbrochen. Daher ist es schwierig das Abendmahl zu beschreiben. Man kann es eigentlich nur auf sich einwirken lassen und es „genießen“. Wichtig ist mir dabei:

1. Das Abendmahl ist das sichtbare und erlebbare Zeichen für die Gegenwart Gottes. Im Abendmahl kommt Gott zu uns. Wir können seine Präsenz in Brot und Wein erleben. Mir ist das Erlebnis des passiven Empfangens dabei sehr wichtig.

2. Abendmahl zu feiern ist ein freudiges Ereignis. Ich habe die Hoffnung, dass wir Christen in St. Paulus das Abendmahl mehr und mehr fröhlich gestalten und erleben lernen.

3. Das Abendmahl ist eine Gemeinschaftsfeier. Die schönsten Abendmahlerlebnisse hatte ich im Kreise vertrauter Menschen.

Ich kann jedem nur empfehlen, sich freudig und erwartungsvoll auf das Abendmahl einzulassen.

 

 

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