Predigt über Matthäus 6,19-23 vom 6. Oktober 2013
Schätze im Himmel
Pastor Andreas Kern

Vom Schätzesammeln und Sorgen

Jesus spricht:

Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen.

Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!

Predigt

Großartige Schätze sind hier aufgetürmt, vor und im Altarraum. Wir danken heute für die Ernte, für die Kartoffeln, für die Tomaten - die Schätze der Natur und des Ackers, die Schätze der menschlichen Mühe und der Sonne unseres Gottes.

Für welche Schätze können wir heute danken? Kürbisse, Rote Beete, Weizen, Mehl, Mais, Äpfel, Birnen, Brot. Das ist viel. Und wir haben reichlich. Jeden Tag genug zu essen, zu trinken, Kleider anzuziehen: das ist nicht selbstverständlich. Wir haben hier am Altar einen riesigen Schatz. Wir sind reich.

Und dann sagt uns heute die Bibel ein Jesus-Wort weiter: Wir sollen nicht Schätze sammeln auf Erden.

„Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

Passt das zusammen? Oder ist das ein Gegensatz? Der Dank für die Schätze des Ackers und all unsere Versorgung - und die Warnung vor dem Sammeln von Schätzen?

Lassen Sie uns zunächst den Dank aussprechen: Uns geht es wirklich gut. Dafür schulden wir denen Dank, die sich ins Zeug legen für unsere Versorgung, für Essen und Trinken als erstes, aber auch für alles andere, was wir zum Leben brauchen. Und wir schulden Gott unseren Dank, der seine Sonne scheinen lässt auf die Pflanzen, der seine milden Regen auf die Felder schickt, und uns so die Nahrungsmittel wachsen lässt. Und wenn wir schon einmal beim Danken sind, dann danken wir auch denen, die uns ins Leben gebracht, erzogen und ausgebildet haben, die uns die Fertigkeiten des Lebens gezeigt und uns die Welt anvertraut haben. Und schließlich danken wir für die großartige Möglichkeit und Chance, in einer der reichsten Gegenden der Welt zu leben: Gott sein Dank!

Erntedankfest 2013: Dieser übergroße Dank muss uns nun aber auch ein wenig bescheiden machen und demütig. Darauf weist der Predigttext hin mit der Rede des Jesus von Nazareth zum Sammeln von Schätzen.

Denn es ist doch wahr: Wir müssen uns immer wieder überlegen, was denn das Wesentliche ist im Leben. Und da wird uns doch immer wieder bewusst, dass unser irdischer Reichtum tatsächlich „von Motten und Rost zerfressen“ wird. Ich glaube, es ist gut, dass wir uns am Erntedankfest erinnern an die Vergänglichkeit all des irdischen Reichtums, den wir erarbeiten und erwerben. Es ist gut, dass wir uns klar machen: Unser tägliches Brot brauchen wir jeden Tag wieder, es bleibt unser stetiges Bedürfnis, immer nur für ein paar Stunden lässt es sich befriedigen - spätestens heute Nachmittag haben wir schon wieder Hunger!

Und wir müssen doch sogar zugeben: Trotz allen eigenen Strebens, trotz aller Technik in der Landwirtschaft, trotz all unserer täglichen Mühen haben, sogar allen Versicherungen und Rücklagen zum Trotz haben wir unser eigenes Leben doch immer nur teilweise im Griff. Wenn es brenzlig wird, stehen wir ganz ratlos da, verlassen. Dann merken wir, dass wir auf ganz andere Mächte und Gewalten angewiesen sind.

Das wird oft vergessen in unserer dynamischen Welt der Tatkräftigen und der Macher. Da wird oft vergessen, dass unsere Schätze, die wir hier sehen, und auch die, die wir nicht sehen, weil sie auf dem Konto landen, eigentlich nicht unsere Schätze sind, sondern Gottes Geschenk. Alles, was wir hier sehen, auch die „finanzielle Ernte“, ist Gottes Segen, der uns erreicht.

Dafür danken wir heute Gott. Deswegen liegen die Schätze auch am Altar. Wer seine Schätze dort hinlegt, der weiß, dass das Gelingen des Lebens in Gottes Hand liegt.

Und doch: Wer würde sich nicht, zumindest heimlich, Reichtum und ein sorgloses Leben wünschen? Wer möchte nicht wenigstens so viele Schätze sammeln und besitzen, dass er frei wäre von Alltagssorgen? Welcher verantwortliche Mensch würde nicht versuchen, Schätze zu sammeln, damit er in kargen Zeiten etwas hat?

Dafür gibt es ja in der Bibel auch gute Beispiele. Denken wir nur an Josef, der in Ägypten in den sieben fetten Jahren die Vorräte gesammelt hat. So konnten die Menschen die sieben dürren Jahre gut durchstehen. Josef hat Schätze gesammelt, und die Schätze sind ihm zum Segen geworden.

Trotzdem ermahnt uns Jesus: „Ihr sollt Euch keine Schätze sammeln auf Erden“.

Warum?

Ich denke, die Erklärung ist gar nicht so schwer. Unsere Schätze auf der Erde und unsere Schätze im Himmel müssen nur im richtigen Verhältnis stehen.

Aber was sind denn die Schätze im Himmel? Soll ich mir eine Art Guthabenkonto beim lieben Gott vorstellen?

So schlicht ist es wohl nicht, aber es gibt einen guten Hinweis in dem Satz von Jesus: „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“

Wo sind unsere Herzen? Woran hängen wir mit unseren Herzen? Am Bankkonto? Am Eigenheim? Am schicken Auto?

Oder sind es nicht doch die Menschen, an die wir uns mit unseren Herzen hängen oder binden? Die Eltern, die Kinder, die guten Freunde, solche Menschen, die mit uns durch Dick und Dünn gehen - das sind doch die wahren Schätze in unserem Lebens-Himmel.

Und der allerwertvollste Schatz in meinem Himmel ist doch, zu wissen, worauf ich mich immer verlassen kann - immer, in jeder Situation, selbst noch in bösester Bedrängung, in Schmerzen und im Tod.

Wer das weiß, der hat einen tollen Schatz. Das ist es, was Jesus mit „Schatz im Himmel“ meint. Wer diesen Schatz hat, der hat dort auch sein Herz, ganz klar. Es ist eine biblische Wahrheit: Auf das Herz kommt es an, nicht auf den Geldbeutel.

Erntedank 2013: Wenn die Ernte eingebracht ist, ist der Bauch gut versorgt, und ein wohliges Gefühl breitet sich aus. Dank und Gottes-Lob erfüllen unsere Herzen und Sinne, und wir preisen ihn, der uns das alles schenkt.

Wenn aber dann auch noch die Lebens-Gewissheit gefunden ist - das ist mein Platz in der Gemeinschaft der Menschen und meine Abhängigkeit von Gottes Liebe -, dann bin ich selig! Dann läuft mein Herz über, ist übervoll vom überschwänglichen Dank und vom Lob für den, der das alles so herrlich eingerichtet hat.

Und dann wird von diesem tollen und starken Gefühl auch noch etwas nach außen durchdringen, auch ganz praktisch: denn es reicht ja nicht, dass mein Bauch und mein Herz voll werden. Es ist meine zutiefst christliche Pflicht und Aufgabe, die nicht zu vergessen, die weniger haben als ich.

Gerade wir - in einer der reichsten Ecken der Welt - müssen uns um die gerechte Verteilung der Lebens-Möglichkeiten kümmern, dafür gegebenenfalls auch selbst etwas opfern und aufgeben. Nicht nur für uns selbst sorgen, sondern auch für den Nächsten, der es nicht so gut hat wie wir.

Das kann der kranke Nachbar sein oder die einsame Bekannte, die auf einen Besuch warten. Das kann auch der Flüchtling sein, der böser Gewalt entkommen ist - mit großem Glück. Das kann auch die Familie im afrikanischen Township sein oder das Kind in der brasilianischen Favela, das wir als Paten durch die Kindernothilfe oder die SOS-Kinderdörfer fördern. Alle diese Menschen brauchen uns - und noch etliche mehr.

Und deswegen braucht Gott uns und unsere tätige Liebe, weil er seine Welt nicht von den Zockern und Absahnern zerstören lassen will - und wir ja auch nicht.

So lassen Sie uns den Dank für all die guten Gaben unseres Gottes fröhlich hinaussingen in die Welt. Und lassen Sie uns das, was wir mit gutem Grund entbehren können, sammeln und weitergeben an die Menschen, die Gott uns besonders ans Herz legt.

Das Verschenken von Liebe macht reich - und das Empfangen von Liebe lässt mich strahlen. Da ist dann das Licht, das in mir ist, ein Schatz, der vom Himmel kommt.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen.

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