Predigt zum Erntedankfest am 4. Oktober 2015
Pastorin Brigitte Bittermann

Gottes Fürsorge für euer Leben rührt euch an und öffne eure Herzen für sein Wort. Amen.

Liebe Gemeinde,
mit euch und mit Ihnen zusammen möchte ich mir vergegenwärtigen, wie das ist bei uns mit dem Ernten und dem Danken, unseren Umgang mit dem, was wächst und lebt, und wie sich das mit unserem Leben verbindet. Zunächst das scheinbar Offensichtliche: die Freude und Dankbarkeit darüber, dass auch in diesem Jahr die Saat wieder aufgegangen ist, die in dem Boden gelegt wurde, dass alles blüht und wächst. Sogar die Blumen am Straßenrand hier in Buchholz zeigen sich doch noch in aller Pracht. Wir würden uns wohl selbst am meisten schaden, wenn wir das alles für selbstverständlich hielten und das Staunen darüber vergäßen und das Wunder des Wachsens gering achten würden.

Und dann auch die Dankbarkeit über mein eigenes Leben, für Gesundheit, für Kinder und Enkel, für Lachen und Lebendigkeit, für hart erarbeiteten Erfolg, für Freunde, die mir verbunden sind, für all das, was ich mir leisten kann, für das, was alles da ist, ohne dass ich selbst etwas dazu tun konnte. Ist uns bewusst, dass nichts davon selbstverständlich ist? Was für ein großartiges Gefühl, so beschenkt zu sein.
Leider können wir uns in unseren Zeiten nicht sehr lange an diesem Gefühl freuen. Es ist, als wenn uns jemand auf die Schulter tippt und fragt: Hallo Mensch! Und was machst du nun mit dem allen, was dir so unverdientermaßen zur Verfügung steht? Ist deine Dankbarkeit nicht Heucheln, wenn du dich nicht auch verantwortlich fühlst für all diesen Reichtum? Trägst du Verantwortung für all das?

Umweltverbände haben errechnet und wir wissen es eigentlich alle schon lange, dass wir durch unsere Art zu leben der Erde mehr Güter entziehen, als sie hat. 1,5 Erden bräuchte die Weltbevölkerung derzeit, um den weltweiten Bedarf an Rohstoffen, Ackerflächen, Wasser und Wäldern nachhaltig zu decken. Würden alle Länder so wirtschaften wie Deutschland, wären sogar 2,6 Erden nötig: Reagieren wir – jeder einzelne von uns – verantwortlich auf diese Erkenntnis? Und bevor wir das zu Ende gedacht haben tippt uns jemand auf die andere Schulter und fragt: Hallo Mensch!

Der weltweite Handel mit Lebensmittel unterscheidet sich kaum noch vom Handel mit Autos oder anderen Gegenständen. Es geht um Gewinnmaximierung und Bilanzen, um Konkurrenz zwischen den großen Konzernen. Die Konsequenz daraus ist, dass es nicht mehr darum geht, qualitativ hochwertige Nahrung herzustellen, sondern dass man in Massen produziert – viel und billig. Das alles sei nötig, wird behauptet, weil immer mehr Menschen auf dieser Welt ernährt werden müssen. Demnächst sind es acht Milliarden. Wie wollt ihr diese Aufgabe lösen, auf wessen Kosten und zu wessen Gunsten? Hat dieser Gedanke Platz in eurer Dankbarkeit?
Die biblische Geschichte, die für diesen Tag als Predigttext ausgesucht wurde, sagt etwas aus über uns Menschen, das uns hilfreich sein kann beim Weiterdenken. Ich lese aus Lukas 12:

Und er erzählte ihnen folgendes Beispiel:
Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens! Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast? So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.

Das ist beim ersten Hören nicht unbedingt eine von den schönen Geschichten. Es ist eine Geschichte, die uns auffordert, uns selbst gegenüber Rechenschaft abzulegen. Sie will uns wachrütteln, hellwach und kritisch machen gegen uns selbst.
Was ist denn nun mit dem Kornbauern? Was hat er falsch gemacht?
Zuerst hat er Glück gehabt. Er hatte eine überaus gute Ernte und er hat getan, was alle tun würden: er hat größere Scheunen gebaut, um seine Ernte unterzubringen. Was ist davon verkehrt?

Was verkehrt ist davon – und das sollen wir in dieser Geschichte hören – was verkehrt ist, ist, dass wir uns in uns selbst verschließen in Selbstzufriedenheit. Was verkehrt ist davon, ist, dass wir nicht genug bekommen können, dass wir uns nicht zufrieden geben mit dem, was wir erreicht haben, sondern dass es immer weiter gehen muss, immer mehr, immer besser. Es ist unsere Gier und unsere Selbstzufriedenheit, die verkehrt ist und die uns skrupellos werden lässt. Welche Blüten das treibt, wie überaus erfinderisch Menschen wurden, um ihre Gier zu befriedigen, erleben wir in unserere Gesellschaft im Großen und im Kleinen immer wieder.
Dass wir uns nur auf uns selbst verlassen, unsere eigenen Fähigkeiten und Kräfte zum Maßstab machen und darüber aus dem Blick verlieren, dass unser Leben und diese Welt Gottes Geschenk an uns ist, das steht in der Kritik. Du Narr, sagt Gott. Du Narr. Du hast dein Leben vergeudet mit Nichtigkeiten.

Hallo Mensch! Werde wach. Lass dich erinnern an die Rhythmen von Saat und Ernte, von Frost und Hitze, von Arbeit und Vergnügen, von Anspannung und Entspannung, von Anstrengung und Erholung. Das ist der Rhythmus des Lebens. Erinnere dich!
Damit schließt sich der Kreis unserer Gedanken und wir sind wieder am Anfang. Zur Dankbarkeit für das Leben gehört, dass ich mir eingestehe, dass nicht alles machbar ist. Zur Dankbarkeit für Wachsen und Werden gehört eine Haltung des Respekts und der Achtung vor allem, was lebt. Zur Dankbarkeit gehört auch der Verzicht, alle Fäden in der Hand halten zu wollen und das Vertrauen in ein Leben – ohne Sicherheit und doppeltem Boden – in dem ich nicht alles selber machen muss. Dankbarkeit öffnet meinen Blick, weit über mich selbst hinaus und lässt mich staunen über das Wunder des Lebens. Amen
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