Predigt über 1. Korinther 3 vom 22. Januar 2012
Festgottesdienst zur Einweihung des Paulus-Hauses
Pastor Andreas Kern

Aus 1. Korinther 3

Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Ihr wisst doch, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt. Der Tempel Gottes ist heilig; das seid ihr.

Predigt

Liebe Festgemeinde,

wir haben ein Gemeindehaus gebaut. Wir nennen es Paulus-Haus, weil wir die Paulus-Kirche haben, weil wir uns als Paulus-Gemeinde darin treffen. Wir danken Gott und den vielen Menschen, die sich engagiert und beteiligt haben, und wir wünschen uns eine segensreiche Arbeit und lebendiges Wirken in dem neuen Bau.

Aber warum eigentlich das ganze? Geht das nicht auch ohne?

Ich muss zugeben, das ist vorstellbar. Christ-Sein, Gemeinde-Sein - das geht auch ohne Paulus-Haus. Geglaubt wird auch außerhalb der Kirche und außerhalb der versammelten Gemeinde. Auch eine Kirche - so schön sie ist, so sehr wir an ihr hängen - wird nicht „gebraucht“ zum Christ-Sein, für die Gemeinde. Und Gemeinde kann sich natürlich auch ohne Kirchenraum versammeln, unter freiem Himmel, auf dem Markt, auf dem Parkplatz. Oder in anderen Räumen, in Wohnzimmern, in Schulen, Einkaufszentren, Kinos. Ja, das geht. Das wäre vielleicht nicht so komfortabel, dafür hätten wir - zusammen mit der jeweiligen Herausforderung, unseren Glauben und unsere Gemeinde in solchen anderen Räumen zu leben - auch ganz neue Chancen.

Wir haben trotzdem gebaut. Weil wir uns - neben der Kirche - Raum zur Begegnung, zur Entfaltung, zur gelebten Verkündigung gewünscht haben. Räume, in denen Menschen einander zuhören und helfen, wo sie aneinander wachsen, wo sie Freude und Sorgen miteinander teilen - und sich als Christenmenschen gemeinsam auf dem Weg wissen. Räume, in denen Kinder spielen, junge Menschen Verantwortung zu übernehmen lernen und Alte ihre reiche Erfahrung in den Dienst anderer stellen.

Heute weihen wir das Paulus-Haus ein, danken Gott und den vielen Menschen, die an der Planung und dem Bau beteiligt waren, und sind stolz und glücklich, weil wir es geschafft haben und uns nun freuen auf das Leben und Wirken im neuen Zuhause.

Und wir halten noch einmal inne und machen uns klar, dass der eigentliche Grund, auf dem wir bauen, auf dem wir unser Leben bauen, nicht von uns selbst gelegt ist, sondern schon vor uns da war. Unser Zuhause, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn - es ist unser Rückzugs-Ort. Dazu muss es stabil sein, einen festen Ort haben, ein Fundament, das tragfähig ist, auch das im wörtlichen wie übertragenen Sinn.

Paulus schreibt: Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Paulus zeichnet mit seinen Worten ein Gemeindebild, ein Bild seiner Christenschar, und er skizziert dabei ein Haus, einen Bau:

Ihr seid Gottes Bau, schreibt er. Ihr seid seine Mitarbeiter. Da hat er, Paulus, etwas angefangen, einen Grund gelegt, und dabei hat er sich Mühe gegeben, ein weiser Baumeister zu sein. Auf diesem Grund bauen jetzt andere. Jeder gebe sich Mühe, ordentlich zu bauen.

Ordentlich bauen: das wollen wir gerne tun, hier neben der Kirche wollten wir das tun - und in unserem Leben wollen wir das ebenfalls.

Ja, liebe Fest-Gemeinde, wir haben uns Mühe gegeben, ordentlich zu bauen. Aber heute geht es ja nicht um Pläne für Steine und Fenster und Leitungen, sondern um Lebens-Entwürfe und Glaubens-Linien. Ordentlich am Leben bauen - das ist eben auch eine Herausforderung.

Da ist zwar immer der Lebens-Grund, der gelegt ist: Jesus Christus. Aber wie ich mein Leben und meinen Glauben darauf baue, das ist doch sehr von meiner persönlichen Verfassung und Haltung abhängig. Und von Voraussetzungen wie der Prägung durch Familie und Tradition, und den Menschen, die mir begegnen und mich prägen.

Wir alle sind Gottes Bauwerk - und da muss ja nun nicht jeder eine tragende Rolle spielen. Da gibt es immer solche, die unsichtbar bleiben, aber trotzdem wichtig sind und gebraucht werden. Und es gibt die Sichtbaren, die toll nach außen wirken. Wie bei den Bauteilen des Paulus-Hauses sind auch wir Menschen glücklicherweise unterschiedlich, so dass wir gemeinsam ein Tempel Gottes sein können, mit Räumen voller Licht und Luft zum Atmen, ein Platz, an dem Gottes Wirken zu spüren ist, der einlädt zur Begegnung, zum Lob Gottes und zum Gebet.

Das wichtigste zum Bauen eines solchen Bauwerks ist ein Baugrund. Im wörtlichen Sinn war das für die Paulusgemeinde das Grundstück hier neben der Kirche. Und im übertragenen Sinn ist das für uns alle, den Grund des Lebens zu kennen.

Paulus schreibt: es gibt einen Grund, darauf zu bauen. Dieser Grund ist Jesus Christus. Der ist schon gelegt, einen anderen Grund gibt es für ein christliches Leben nicht. Dieser Bau-Grund ist stabil, ein festes Fundament. Auch wenn wir Menschen immer wieder mal den Eindruck haben, dass dieser Grund heutzutage in Bewegung ist, so denke ich, er erscheint vielleicht deswegen flexibel, weil Leben nicht starr ist und der Grund auch mal die Stöße des Schicksals und der Zeit abfedern muss.

Wir haben als Fundament, als Grund für unser Lebens-Zuhause diesen Christus, der sich auskennt mit dem Leben - mit den tollen und den schmerzhaften Seiten und Zeiten. Wir haben ihn als Zuhause-Grund, als gerade Linie, um die herum wir unser Leben gestalten, als Ruhepol, von dem aus wir aufbrechen in unsere Vorhaben. Und zu dem wir immer wieder zurückkehren, weil er immer da ist und bleibt - auch wenn wir manchmal lange wegbleiben.

Er begegnet uns als der menschliche Gott, der sich ganz klein machen kann und doch so wirk-mächtig bleibt. Er führt uns zusammen, heute hier zum Feiern eines Einweihungs-Festes, ein andermal vielleicht zum Beten für ein getauftes Kind oder zum gemeinsamen Bedenken der Lebensgeschichte eines Verstorbenen. Er verbindet uns miteinander, er bindet uns aneinander, so wie ja Bauteile eines Bauwerks - oder eines Tempels, wie Paulus schreibt - tatsächlich auch miteinander verbunden sein müssen; sie können nicht alle separat und getrennt voneinander auf dem Fundament stehen, sondern sie stützen sich gegenseitig, tragen einander, bringen nur gemeinsam ein Bauwerk zur Vollendung!

Ihr wisst doch, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt. Der Tempel Gottes ist heilig; das seid ihr.

Für mich ist dieser Satz von Paulus die Mahnung, unser Paulus-Haus nun mit Leben zu füllen. Denn nicht das Bauwerk, das wir gebaut haben, ist der Tempel Gottes, sondern wir sind es. Wir gemeinsam, verbunden durch ihn, sind seine Mitarbeiter. So ist das Paulus-Haus gut und nützlich für unsere Arbeit, aber die Menschen, die darin arbeiten und wirken, sie sind das, worauf es ankommt, sie sind das Herzstück, sie sind Gottes Tempel.

Wir wollen uns freuen am schicken neuen Haus - aber das Glitzern und Glänzen der neuen Bauteile darf gerne Kratzer bekommen und langsam vergehen, wenn dafür das Glitzern und Glänzen der Begegnungen zwischen den Menschen und Gott zu spüren ist; wenn die Wärme der Herzen und die Zuwendung zu denen, die das ein wenig mehr brauchen als andere, in die Umgebung ausstrahlt, in der Stadt zu spüren ist; wenn hier das Loblied unseres Gottes immer neu erklingt und sich Klänge und Farben ausbreiten in unsere Ohren und Herzen; wenn die Kleinen und die Großen sich miteinander aufmachen und Neues entdecken mit unserem Gott - dann ist das Paulus-Haus zum Segen gebaut worden und erfüllt seinen Zweck.

Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Ihr wisst doch, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt. Der Tempel Gottes ist heilig; das seid ihr.

Ich wünsche mir für das Paulus-Haus, dass es die von mir skizzierten Funktionen erfüllen kann. Und ich wünsche mir für uns alle, dass wir in dieser Kirche, drüben im Paulus-Haus und auch in allen unseren Häusern und Räumen, gerne Gottes gute Botschaft - das Evangelium seiner Liebe - weitersagen und so seine Mitarbeiter, sein Tempel sind. Dazu möge er uns seine überschwängliche Gnade schenken. Amen.

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