Predigt über Lukas 24,13-35 vom 22. Februar 2015
20 Jahre Ökumenischer Hospizdienst Buchholz e.V.
Pastorin Brigitte Bitterman

Liebe Gemeinde,

die Geschichte, von den Emmaus-Jüngern, die traditioneller Weise in der Zeit nach Ostern bedacht wird, spielt in der Ausbildung zum Hospizmitarbeiter eine große Rolle. Darum soll sie uns auch heute in der Predigt begleiten. In ihr ist eine Grundidee verborgen, die uns anleiten kann zu einem besonderen Umgang mit Menschen in Not, an den Grenzen des Lebens.

Ich lese sie uns vor:

Am gleichen Tag gingen zwei von den Jüngern nach dem Dorf Emmaus, das elf Kilometer von Jerusalem entfernt liegt. Unterwegs unterhielten sie sich über alles, was in den letzten Tagen geschehen war. Als sie so miteinander sprachen und sich Gedanken machten, kam Jesus selbst hinzu und schloss sich ihnen an. Aber sie waren wie mit Blindheit geschlagen und erkannten ihn nicht. „Was beschäftigt euch denn so sehr?“, fragte Jesus. „Worüber redet ihr?“ Da blieben sie traurig stehen, und einer von ihnen - er hieß Kleopas - sagte: „Du bist wohl der einzige Mensch in Jerusalem, der nicht weiß, was sich in den letzten Tagen dort abgespielt hat?“ „Was denn?“, fragte Jesus. Sie erwiderten: „Das, was mit Jesus von Nazaret geschehen ist. Er war ein Prophet und hat in seinen Worten und Werken vor Gott und dem ganzen Volk seine Macht erwiesen. Unsere Hohen Priester und die anderen Oberen haben ihn zum Tod verurteilt und ans Kreuz nageln lassen. Dabei haben wir gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen würde. Heute ist außerdem schon der dritte Tag, seitdem dies geschehen ist. Dann haben uns auch noch einige Frauen von uns, die am frühen Morgen an der Felsengruft gewesen sind, aus der Fassung gebracht. Sie haben seinen Leichnam nicht gefunden, und als sie dann zurückkamen, erzählten sie, Engel wären ihnen erschienen und hätten gesagt, dass er lebe. Daraufhin gingen einige von uns zur Gruft und fanden es so, wie die Frauen berichtet hatten. Aber ihn selbst sahen sie nicht.“ Da sagte Jesus zu ihnen: „Was seid ihr doch schwer von Begriff! Warum fällt es euch nur so schwer, an alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben? Musste der Messias nicht das alles erleiden, bevor er verherrlicht wird?“ Dann erklärte er ihnen in der ganzen Schrift alles, was sich auf ihn bezog; er fing bei Mose an und ging durch sämtliche Propheten. So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat so, als wollte er weitergehen, doch die Jünger hielten ihn zurück und baten: „Bleib doch bei uns! Es ist schon Abend und gleich wird es dunkel.“ Da ging er mit ihnen ins Haus. Als sie sich dann am Tisch niedergelassen hatten, nahm Jesus das Fladenbrot, sprach das Segensgebet darüber, brach es in Stücke und reichte es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn. Doch im selben Augenblick wurde er vor ihnen unsichtbar. „Brannte nicht unser Herz, als er unterwegs mit uns sprach und uns den Sinn der Schrift aufschloss?“, sagten sie da zueinander.

Meistens hören wir die Geschichte aus der Perspektive der Jünger, die über den Tod Jesu verzweifelt sind und nicht wissen, wie sie weiter leben sollen, und wie ihnen dann die Augen aufgehen und ihr Leben wieder eine Richtung bekommt.

Heute möchte das Verhalten Jesu einmal genauer betrachten. Was macht er eigentlich? Wie verhält er sich gegenüber den traurigen Jüngern? Aus seinem Verhalten können wir etwas ablesen für unseren Umgang mit Menschen in Ausnahmesituationen, mit Menschen, die den Tod vor Augen haben.

Jesus geht mit den Jüngern mit, und er nimmt wahr, dass etwas Wichtiges sie beschäftigt. Er weicht nicht zurück, als er merkt, dass ihnen etwas schwer auf der Seele liegt. Wir erfahren nicht, ob er eigentlich etwas anderes vorgehabt hätte. Wenn ja, scheint das keine Rolle mehr zu spielen. Er nimmt sich Zeit. Geht nebenher, passt seinen Schritt an – und er hört zu. Er hört auf eine Weise zu, die den Jüngern hilft, ihr Herz auszuschütten. Er ist bereit sich auf sie einzulassen. Jesus reagiert nicht auf die kleinen Angriffe, die ihm zu verstehen geben, dass er schlecht über das Geschehen der letzten Tage informiert sei. Er ist aufmerksam, er ist ganz da, er konzentriert sich ganz auf das, was sie sagen.

Von ihm selbst hört man gar nichts. Keine Ratschläge, kein: Jetzt stellt euch mal nicht so an, gestorben wird immer. Er respektiert die Gefühle der Jünger, überlagert sie nicht mit seiner eigenen Sicht der Dinge und lässt sich von ihnen auch nicht vereinnahmen. Ob er alles verstanden hat und nachvollziehen kann, erfahren wir nicht. Wir spüren nur, dass er sich ganz eingelassen hat auf die Welt der Jünger.

Hospiz: Ich wünsche mir die Kraft die Menschen ohne Bewertung zu akzeptieren, wie sie sind; ich möchte meine Sinne schärfen für eine gute Wahrnehmung und das Zuhören und mitgehen ohne Fragen zu stellen. Hier ist Jesus mein Vorbild.

Dann kommen die Jünger an ihrem Ziel an. Für Jesus wäre es nun eine gute Möglichkeit gewesen sich zu verabschieden und weiter zu gehen. Durch sein leichtes Zögern überlässt er den Jüngern die Entscheidung, ob sie weiter seine Gesellschaft haben wollen oder nicht. Er drängt sich ihnen nicht auf. Er kennt das Geheimnis von Nähe und Distanz.

Die Jünger bitten ihn zu bleiben. Er taucht noch weiter ein in ihre Welt der Trauer. Er ist da. Mehr nicht. Seine Gegenwart ermutigt sie. Er gibt sich ganz, bleibt nicht in der Distanz. Wir wissen nicht, wie viel Merkwürdigkeiten ihm zu Ohren kommen, wie viel „Abers“ ihm auf der Zunge liegen, wie viel Stirnrunzeln. Er teilt mit ihnen Brot und Wein. Wenn man miteinander isst, teilt man sein Leben, seine Zweifel, seine Fragen. Wir alle ahnen, wie gut das tut.

Hospiz: Jesus zeigt mir hier, wie wichtig es für mich als Begleiterin von Sterbenden ist, Balance zu halten zwischen Nähe und Distanz. Will der Kranke meine Gegenwart überhaupt? Freut er sich vielleicht über eine sanfte Berührung seiner Hände? Wenn ich sicher bin, dass der Sterbende mich nicht ablehnt, ist das Bleiben, das einfache Bei-ihm-sein oft die einzig mögliche Zuwendung.

Und dann wird es für Jesus Zeit zu gehen. Er respektiert das Leben der anderen und er weiß von seinem eigenen. Er lädt sich ihre Trauer nicht auf, er hat sie „nur“ begleitet. Er lässt los und bindet nicht an sich. Er respektiert die Eigenständigkeit der Jünger. Er lässt die Verantwortung bei denen, die sie zu bewältigen haben. Er traut ihnen zu, dass sie es schaffen ins Leben zurück zu finden. Er steht auf und geht. Zurück bleibt das Gefühl einer großen Erleichterung.

Hospiz: Als Begleiterin stelle ich fest, wenn ich bei einem Sterbenden gesessen habe und dann weggehe, dass ich ihn auf seinem Sterbebett ein Stück allein gehen lassen kann.

Denn ich kann ihm sein Sterben nicht abnehmen. Nach so einem Besuch bin ich mir sehr bewusst, dass mein Leben endlich ist und ich es dennoch richtig genießen kann, und dadurch habe ich immer wieder neue Kraft mich der Aufgabe als Begleiter hinzugeben.

Die Geschichte der Emmaus-Jünger, aus einem besonderen Blickwinkel betrachtet.
Jesus gibt uns ein Beispiel dafür, wie man Menschen in schwierigen Situationen begegnen kann.
Das hilft in der Arbeit mit Sterbenden.
Das hilft auch in anderen sorgenvollen Situationen.
Wahrnehmen und mitgehen, zuhören und bleiben, loslassen und aufstehen.

Eine Haltung, an der wir uns orientieren können und die das Leben im Blick hat.

Amen.

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