Predigt über 2. Korinther 5,1-10 vom 16. November 2014
Ewigkeitssonntag
Pastorin Brigitte Bittermann

Liebe Gemeinde,

ich möchte Sie einladen, mich auf dem Spaziergang über einen Friedhof zu begleiten. Mancher von Ihnen wird in den letzten Tagen eine besondere Aufmerksamkeit auf die Pflege der Gräber von Angehörigen gelegt haben; das ist so in den Novembertagen – Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Ewigkeitssonntag. Das Leben in der Natur zieht sich zurück, so manches erinnert uns verstärkt an Vergänglichkeit, Sterben und Tod. Keine einfachen Gedanken, und vielleicht sind Sie auch froh, wenn sie nach getaner Arbeit den Friedhof wieder verlassen können – aber heute wollen wir uns in unseren Gedanken etwas mehr Zeit nehmen.

Wir gehen durch die Gräberreihen, lesen die Namen auf den Steinen, die Sterbedaten, freuen uns an der einen oder anderen Besonderheit in der Grabgestaltung und genießen die Ruhe an diesem Ort.

Die Menschen, die hier begraben liegen, sind jung oder alt gestorben; es sind Menschen, die ihr Leben auskosten konnten, Menschen, die unter schwerer Krankheit litten, Menschen, die tragisch und viel zu früh ihr Leben verloren. Vielleicht gehen Sie an eine Stelle auf dem Friedhof, die Ihnen besonders lieb und wichtig ist und bleiben dort einen Moment für sich.

Wir kommen ins Nachdenken über den Sinn des Lebens und fühlen uns merkwürdig bewegt, weil wir merken, wie nah uns diese Gedanken gehen. Schließlich kommen wir an einem besonderen Gedenkstein vorbei. Er erinnert nicht nur an einen Menschen – er erinnert an eine ganze Zeit; er erinnert an alle, die während der beiden Weltkriege umgekommen sind. Solche Gedenksteine gibt es in fast jedem Ort, nicht immer stehen sie auf einem Friedhof, und alle sehen anders aus. Aber sie alle erinnern an eine Zeit, die für die Menschen schrecklich war.

In Ihren Händen halten Sie das Bild eines solchen Gedenksteins. Er steht heute im Magdeburger Dom. Ernst Barlach hat ihn gestaltet. Auf diesem Gedenkstein sind die Zahlen des 1. Weltkrieges eingemeißelt; es könnten auch die des 2. Weltkrieges sein oder die Jahreszahlen der vielen Kriege, die es seitdem auf dieser Welt gegeben hat und gibt. Solche Steine erinnern an unendliche Not, an unglaubliche Angst, an Sehnsucht und Verzweiflung – an Leid, das Menschen bis heute einander zufügen.

Können wir ermessen, was diese Augen sehen mussten, die jetzt ausdruckslos ins Leere blicken oder was diese Ohren gehört haben, was diese Münder befohlen haben, die nun verstummt sind angesichts des Desasters? Und da ist wieder die Frage: Wie ist das mit dem Leben und dem Sterben? Macht das Sinn? Was würden wir antworten, wenn wir gefragt würden: was glaubst du, was ist mit diesen Toten, die im Krieg sterben? Und überhaupt: was wird mit uns, wenn wir sterben?

Vielleicht antwortet einer: Ach, weißt du, tot ist tot, mir ist das egal. Oder ein anderer sagt: Ich treffe dann die wieder, die vor mir gestorben sind. Und noch ein anderer meint: Ich werde wiedergeboren, in ein neues Leben – da bin ich sicher.

Was wird mit uns sein, wenn wir sterben? Als Christen greifen wir bei dieser Frage gerne auf den Apostel Paulus zurück. Seiner Gemeinde in Korinth hat er auf diese Frage Antwort gegeben. Ich lese aus seinem 2. Brief an die Korinther, Kapitel 5:

Denn wir wissen: wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. Denn darum seufzen wir auch und sehnen uns danach, dass wir mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet werden, weil wir dann bekleidet und nicht nackt befunden werden. Denn solange wir in dieser Hütte sind, seufzen wir und sind beschwert, weil wir lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden wollen, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben. Der uns aber dazu bereitet hat, das ist Gott, der uns als Unterpfand den Geist gegeben hat. So sind wir denn allezeit getrost und wissen: solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn; denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. Wir sind aber getrost und haben vielmehr Lust, den Leib zu verlassen und daheim zu sein bei dem Herrn. Darum setzen wir auch unsre Ehre darein, ob wir daheim sind oder in der Fremde, dass wir ihm wohlgefallen. Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse.

Paulus hat schöne Worte gefunden, um auf diese schwere Frage zu antworten. Zu schöne? Diese Worte des Paulus sind lange Zeit immer dann zitiert worden, wenn Menschen hier auf der Erde ihr Leben verbessern wollten. Wenn sie sich stark machen wollten für mehr Gerechtigkeit, für mehr Frieden, für mehr Grundrechte. Dann wurden sie vertröstet auf ein Leben nach dem Tod. Viele Menschen sind so um ihr Leben betrogen worden.

Diesem Verständnis des Textes gegenüber bin ich sehr kritisch. Aber man kann die Worte des Paulus, seine Begeisterung, die über dieses Leben hinausgeht, auch anders verstehen und das möchte ich Ihnen anbieten.

Paulus nimmt uns mit seinen Worten die Angst vor dem Sterben und will uns Mut machen zum Leben. Paulus nimmt uns die Angst vor dem Tod, weil er sagt: auch im Tod gehört ihr zu Gott. Keine Ahnung, wie es sein wird, aber wir werden bei Gott sein. Wir versinken nicht einfach in ein dunkles Loch. Gott wird für jeden von uns einen Ort bereithalten, damit wir auch im Sterben nicht verloren sind. Das gilt uns, die wir noch am Leben sind. Und gilt denen, die schon gestorben sind – im Krieg, auf der Autobahn, im Bett, jung oder alt.

Das ist es, was Paulus uns sagen will. Er will uns nicht unser Leben jetzt madig machen, aber er will uns die Angst nehmen vor dem Nichts, vor der endlosen Leere, vor dem undurchdringlichen Dunkel des Todes, vor der Befürchtung, dass alles sinnlos sein könnte.

Das ist es, was Paulus uns sagen will. Dafür hat er diese schönen Worte und Bilder gefunden – und noch eines:
weil unsere Gedanken nicht mehr gebannt werden von Angst und Sorge um unser Sterben, darum können wir frei werden zum Leben:

- frei dazu, das Vergangene in unseren Köpfen und Herzen zu bewegen, um allen Anfängen zu wehren
- frei dazu, alles zu unterstützen, was das Leben stärkt und aufbaut und alles zu lassen, was Leben zerstört
- frei dazu, sich dafür einzusetzen, dass niemand mehr seine Augen verschließen muss vor dem, was er sieht, dass niemand mehr seine Ohren verschließen muss, vor dem, was er hört, dass unsere Münder nicht verbissen verschlossen bleiben, wenn es um Wahrheit und Recht geht.

Das ist die Antwort des Paulus auf unsere Frage nach dem Sterben und dem Sinn des Lebens. Er nimmt uns unsere Angst vor dem Sterben und er macht uns Mut zum Leben. So könne wir getrost unserer Toten gedenken, auch derer, die durch sinnlose Gewalt ums Leben kamen, und darum unser Leben gestalten – frei und ohne Angst. Amen.

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