Predigt über 1. Mose 3 vom 13. März 2011
Der Rausschmiss
Pastor Andreas Kern

Der Sündenfall

1 Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten? 2 Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; 3 aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! 4 Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, 5 sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. 6 Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß. 7 Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. 8 Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN unter den Bäumen im Garten. 9 Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? 10 Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich. 11 Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du nicht gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen? 12 Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß. 13 Da sprach Gott der HERR zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau sprach: Die Schlange betrog mich, sodass ich aß. 14 Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du das getan hast, seist du verflucht, verstoßen aus allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Erde fressen dein Leben lang. 15 Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. 16 Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein. 17 Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen -, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. 18 Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. 19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden. 20 Und Adam nannte seine Frau Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben. 21 Und Gott der HERR machte Adam und seiner Frau Röcke von Fellen und zog sie ihnen an. 22 Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, dass er nur nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich! 23 Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war. 24 Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens.

Predigt

Luther nennt ihn den „Alten Adam“ - hier ist er: der Mensch, der seine Unschuld aufs Spiel setzt, der sich und seine Nachkommen aus dem Paradies katapultiert, der für den Genuss eines Augenblicks die Zukunft zerstört.

Das kennen wir Menschen ja von uns selbst. Es ist der „Alte Adam“, der Gott nicht vertraut, sondern frech sein Glück in die eigene Hand nimmt - und damit sein Unglück herbeiführt. Es ist der „Alte Adam“, der Gott nicht so wichtig nimmt, sondern sich selbst in den Mittelpunkt stellt, und dabei erfährt, was für ein jämmerliches Geschöpf er ist.

Aber da ist noch mehr dran, es geht um noch eine viel größere Dimension. Denn was hat die Schlange der Frau versprochen? Worauf war sie reingefallen? Und Adam gleich mit?

Es gab nur dieses eine Verbot im Paradies: die Früchte von dem Baum in der Mitte des Gartens sollten die Menschen weder essen noch anrühren - das allein hatte Gott ihnen untersagt. Mit einem Trick: „damit ihr nicht sterbt“. Das sollte die Menschen abhalten von dieser Versuchung.

Und die Schlange, die das Geheimnis des Baumes verrät und dafür verurteilt wird, auf ewig auf dem Bauch zu kriechen, was hatte sie damit zu tun?

Sie hatte noch nicht einmal gelogen! Das war alles korrekt, was sie der Eva gesagt hatte. Was hatte die Schlange falsch gemacht?

Wozu die Schlange die Menschen angestiftet hat, und was die Menschen nun büßen müssen, das ist: Sie haben das Vertrauen, das Gott in sie gesetzt hat, böse missbraucht. Damit haben sie etwas getan, was jeden, der ein Herz hat, schlimm verletzt und enttäuscht. Vertrauensbruch ist eine der schlimmsten Verfehlungen. Wer das Vertrauen eines anderen missbraucht, verrät die gegenseitige Nähe, beschädigt das Miteinander, wirft die Liebe weg. Dass das ein Paradies zerstört, ist doch klar, oder?

Und hier kommt noch eine Dimension dazu: „Die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.“ Die beiden wollen die schöne Frucht probieren, es „lockt“ sie, weil es „klug macht“. Ist uns klar, was hier das lockende ist? Die Schönheit des Baumes wird zwar genannt, aber die Schlange hatte noch etwas viel Größeres angeführt: „ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.“

Sein wie Gott! Wissen, was gut und böse ist!

Warum das schlimm ist? Warum das nicht ins Paradies passt? Weil es im Paradies kein Gut und Böse gibt, keine Schuld, keine Angst, keine Mühe und keinen Schmerz! Weil im Paradies alle diese Unterscheidungen nicht sein dürfen - sonst ist das Paradies hin! Die Unterscheidung zwischen gut und böse ist etwas, das den Menschen im Paradies nicht zusteht, sondern nur Gott! Und wer sein will wie Gott, der übertritt nicht nur die Grenze des Vertrauens, der zerstört nicht nur die Liebe und die Nähe zu Gott, sondern der stellt sich frech neben ihn, oder gar an seine Stelle - der nimmt einen Platz in Anspruch, der ihm nicht zukommt!

Und das geht ja, wie wir wissen, noch viel weiter: unsere menschliche Hybris, unsere Großmanns-Sucht: sie führen immer wieder in die Katastrophen. Wir sind doch in unserer Allmachts-Phantasie dabei, nach dem Paradies die ganze Welt zu zerstören, indem wir die Rolle Gottes beanspruchen, indem wir die Schätze verschleudern, die sie uns schenkt, uns Vorrechte einräumen bei der Nutzung der Ressourcen - und jeden Vorteil, den Schicksal oder Geschichte uns zuspielen, hemmungslos ausnutzen. Wir berechnen Rest-Risiken und legen dann fest, wie viel davon tolerierbar ist - jetzt in Japan, wo zu der Natur-Katastrophe die menschengemachte Nuklear-Katastrophe dazukommen, wird das wieder einmal sichtbar.

Und noch ein kleines Detail dieser Ur-Fabel unserer Kultur nenne ich ihnen:

Jetzt in der Passionszeit läuft wieder die Aktion „7 Wochen ohne“, diesmal unter dem Motto „7 Wochen ohne Ausreden“. Schuld zuzugeben fällt uns Menschen schwer - auch das können wir schon in der Geschichte mit der Paradies-Frucht erkennen. Wenn doch die Erkenntnis sich Bahn brechen könnte, dass Ausreden das Geschehene nicht leichter machen, sondern schwerer! Die klugen Menschen im Paradies, was machen sie, als Gott sie besucht? „Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes: ich bin nackt, darum versteckte ich mich.“ Und nun kommt es: „Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Du hast doch nicht gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen? Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß. Da sprach Gott der Herr zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau sprach: Die Schlange betrog mich, sodass ich aß.“

Alles Ausreden, alles irgendwie richtig und verständlich, aber so falsch, wie es nur geht! Ich nicht, die Frau war’s! Ich nicht, die Schlange war’s!

Es gibt ein 1000 Jahre altes Bronze-Relief an der Bernwards-Tür im Hildesheimer Dom, das diese Szene unübertrefflich zeigt: die beiden Menschen stehen vor Gott, eine Hand hält das Feigenblatt vor die Blöße, die andere weist mit ausgestrecktem Zeigefinger die Schuld woanders hin: der Mann weist auf die Frau, die Frau auf die Schlange. So wird das Versagen und die Schuld weitergereicht. Das ist juristisch nachvollziehbar, aber menschlich und auch politisch immer die schlechtere Variante!

Da ist der Chefarzt, der im letzten Sommer nach dem Tod von mehreren Frühgeborenen durch eine infizierte Nährlösung in seinem Mainzer Krankenhaus nicht zuerst auf die Hersteller gezeigt, sondern sofort alles öffentlich gemacht und damit den Tod weiterer Kinder verhindert hat.

Und da ist der Bundesminister, der auf seine Belastung weist - früher war es die wissenschaftliche, politische und familiäre Tätigkeit und jetzt die „enorme Wucht der medialen Betrachtung“ seiner Person. Selbst beim Rücktritt nur Selbst-Verteidigung, keine Aufklärung, keine Einsicht.

Was meinen Sie, warum der eine weiterhin als Direktor der Universitäts-Augenklinik arbeitet und der andere kein Amt mehr hat?

Weil wir dem einen vertrauen und dem anderen nun erst einmal nicht mehr. Weil wir mehr Achtung haben vor dem, der in einer schwierigen Lage seine eigene Fehlbarkeit vorführt, als vor dem, der die Fehler bei anderen sucht. Weil wir sogar zum Vergeben bereit sind, wenn einer ernsthaft bereut, was geschehen ist, und seinen eigenen Anteil dabei nicht klein redet oder verschweigt.

Wer also auf andere zeigt oder auf die Umstände, versucht sich von Verantwortung zu entlasten - und das kommt bei Gott und den Menschen nicht so gut an.

Und wer so tut, als sei er klug wie Gott und auch sonst wie Gott, der kommt bei Gott und den Menschen ganz schlecht an - die Diktatoren südlich des Mittelmeeres machen gerade diese Erfahrung.

Ihr werdet sein wie Gott: das ist die Haupt-Versuchung des Menschen. Und die führt uns meist ins Verderben, mindestens aber dazu, dass wir paradiesische Zustände zerstören. Die Taufe, unsere Taufe, erinnert uns daran: Martin Luther schrieb dazu in seinem Katechismus: Die Taufe „bedeutet, dass der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäufet werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten - und wiederum täglich herauskommen und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinigkeit vor Gott ewiglich lebe.“

Das ist der Sinn der Taufe: seine eigene Position kennen und annehmen, vor Gott und seiner Schöpfung, und daraus eine Haltung zu den Menschen gewinnen und zu unserer persönlichen Lebens-Aufgabe. Und dabei die Erfahrung machen: Gott liebt uns, auch wenn er uns aus dem Paradies rausgeschmissen hat. Gott nimmt uns an, auch wenn wir böse Anteile haben - wenn wir uns dieser Seite in uns bewusst sind, sie „täglich bereuen“, wie Luther das ausdrückte, und uns immer wieder ihm, unserem Gott, anvertrauen.

Dass das Leben außerhalb des Paradieses mühevoll und schmerzhaft ist, das erfahren wir alle früher oder später. Ich wünsche uns und besonders der Tauffamilie, dass wir auch die Erfahrung machen, wie wir - trotz aller Gebrochenheit - von Gott angenommen, zurechtgerüttelt und emporgehoben werden. Die Taufe ist unser Heilsmittel und unserer Erinnerung dafür. Wer sich mit seiner Taufe Gott anvertrauen kann, den wird sie durch das Leben tragen und am Ende der Vollendung zuführen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

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